Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 26. April 2020

Ich rief zu dem HERRN in meiner Angst, und er antwortete mir.

Jona 2,3

Selbst in tiefer Not und Angst ist Gott gegenwärtig, ist Gott für mich da.

Ich habe nochmals zur Überprüfung im Buch Jona nachgelesen. Jona spricht von Gottes Antwort auf sein Gebet noch im Bauch des Fisches. Die Geschichte ist kurz erzählte: Jona flieht vor Gott. Gott sendet einen großen Fisch, der Jona verschlingt. Jona betet im Bauch des Fisches.

Die Erkenntnis, dass Jona von einer Antwort Gottes auf sein Gebet spricht, obwohl sich rein äußerlich nichts ändert, finde ich schon bemerkenswert. Da sitzt oder liegt er also im Dunkel eines Fischbauches. Die äußeren Umstände will man sich gar nicht weiter ausmalen. Der weite Blick von einem Berggipfel oder zum Horizont am Strand sind ganz andere Aussichten.

Da findet ein innerer Wandel bei Jona statt, der hier entscheidend ist. Jona wollte fern von Gott sein. Er wollte in ein Land fliehen, wo Gott nicht erst. Kurzerhand befindet er sich an ganz anderer Stelle, an einem vermeintlich gottlosen Ort ohne Hoffnung und Zukunft.

Doch genau hier begegnet er Gott. Hier findet Jona wieder zu Gott. Aus dem vermeintlich gotteslosen Ort wird ein Ort der Gottesbegegnung. Auch wenn sich rein äußerlich rein gar nichts ändert, ändert sich für Jona recht fiel.

Jona hat Gott wieder gefunden. Und Gott selbst hat Jona niemals aufgegeben. Von daher kann dieser Ort zu einer Neubesinnung, zu einem Neuanfang werden. Selbst in tiefer Not und Angst ist Gott gegenwärtig, ist Gott für mich da.

Manche sagen, dass sich erst die äußeren Umstände ändern müssen, damit sie sich ändern können. Manche sagen, dass sich erst der andere ändern muss, bevor man sich selbst ändert. Manche sagen, dass die Welt besser sein müsste, um an Gott glaube zu können. Manche sagen es immer wieder, und ändern sich nie, finden auch Gott nie.

Jona hat im Absturz seiner eigenen Seele Gott gefunden, weil er nicht mehr warten wollte, bis sich alles ändert. Vielmehr hat er sich in seiner eigenen Enge, so ist es ja mit der Angst, an Gott gewandt und Gott gefunden. Da hat sich bereits was geändert, auch wenn es noch nicht sichtbar, tastbar oder testbar war. Und doch war das Neue da, denn Gott war da.

Selbst in tiefer Not und Angst ist Gott gegenwärtig, ist Gott für mich da.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan