Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 24. April 2020

Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.

1.Korinther 1,9

Wenn ich wissen will, wer Gott ist, schaue ich auf Christus

Mit „treu“ begegnet mir ein kleiner und doch großer Begriff. Nach allgemeinem Verständnis ist Treue eine Tugend, die sich durch Verlässlichkeit und Dauer auszeichnet. Das gibt der Wortursprung auch her: trūwen „fest sein, sicher sein, vertrauen, hoffen, glauben, wagen“. Treue und Vertrauen liegen hier nah beieinander und sind sehr positiv besetzt.

Gleichfalls begegnet mir die bange Frage, wie denn Treue in einer sich dramatisch und sich schnell ändernden Zeit noch möglich und überhaupt sinnvoll sei. Ist Treue nicht überholt? Unser Einkaufsverhalten wird mehr über die wöchentlich sich ändernden Angebotslisten geprägt als durch die persönliche Verbundenheit zu dem einen Krämer am Ort, den es vielerorts schon lange nicht mehr gibt. Vor Jahren las ich in der Wochenzeitung WELT die These, dass unser modernes Einkaufsverhalten nach Angebot und Nutzen auch auf unser Beziehungsverhalten bezogen werden kann. Wir orientieren uns in jeglicher Hinsicht auch in unseren Beziehungen an Kosten und Nutzen. Da werden verlässliche Dauer oder andauernde Verlässlichkeit herausfordernder. Und wir scheitern daran auch, selbst da, wo wir Treue für unabdingbar halten.

Bevor ich mich nun über den Menschen in seiner (Un)Fähigkeit zur Treue verspekuliere, halte ich fest: Es geht um Gott! Auf ihn ist mit Blick auf Dauer und seine Beziehungsorientierung Verlass! Wir sind also verlässlich in die Familie Gottes aufgenommen. So verstehe ich die Berufung „zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus“.

Mit diesem Christus hat sich Gott uns auf einzigartige und besondere Weise zugewandt und will durch ihn erkannt werden. Wenn ich also wissen will, wer Gott ist, schaue ich auf Christus – auf das, was dieser getan und gesagt hat, auf seine Geburt, auf sein Leben, auf seinen Tod und seine Auferstehung. Und mit ihm komme ich Gott nahe bzw. ist mir Gott nahegekommen.

Aus dieser verlässlichen Gemeinschaft mit Gott heraus darf ich leben, darf ich tun und lassen.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan
hagen, Dekan