Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 23. April 2020

Ich habe dich bereitet, dass du mein Knecht seist, Israel, ich vergesse dich nicht!

Jes 44,21

Es ist eine Lebensbeziehung verbunden mit der Zusage Gottes

Knecht erscheint uns heute wie ein Begriff aus längst vergangenen Zeiten. Der älteste Bruder meines Vaters bezeichnete sich gern als Knecht. Für ihn war die Arbeit in einem landwirtschaftlichen Betrieb nicht einfach ein Erwerb. Für ihn was das Ganze eine Lebenseinstellung. Er arbeitete nicht einfach als Knecht, er war Knecht durch und durch. Das mag uns befremden.

Doch bei ihm konnte ich sehen, was es hieß, sich für eine Aufgabe und Verantwortung mit seiner ganzen Existenz hinzugeben. Dabei war er ganz und gar nicht verbittert oder unselbständig. Er war zufrieden und glücklich. Er lebte über viele Jahrzehnte auf diesem Hof und identifizierte sich damit.

Immer wenn ich in der Lutherbibel von einem Knecht lese, muss ich an meinen alten Onkel denken. Es ist bei mir positiv konnotiert. Und wenn ich lese, dass Israel Gottes Knecht ist, ahne ich, was damit gemeint ist: Sich ganz und gar mit seinem ganzen Sein und Wesen an Gott orientieren und sich zu Gott halten.

Bei meinem Onkel war es nicht einfach eine Arbeitsbeziehung, sondern eine Lebensbeziehung, die übrigens auch umgekehrt galt. Mein Onkel gehörte zur Familie des Bauern über viele Jahrzehnte.
Nun sind solche „Arbeitsmodelle“ heute irgendwie nicht mehr stimmig und erstrebenswert. Das weiß ich wohl. Und doch will ich es als Bild für die Beziehung zu Gott nehmen.

Es ist eine Lebensbeziehung verbunden mit der Zusage Gottes, dass er mich nicht vergisst. Allerdings verlangt es auch mir eine Verantwortung ab, auf Gott zu hören und nach seinem Willen zu fragen.
Und ja, in dieser Beziehung gibt es auch ein oben und ein unten. Gott ist nun mal oben und ich bin unten! Da gibt es ein Gefälle. Und das ist gut so!

Ich würde mich nun selbst nicht ein „Knecht Gottes“ nennen. Doch die lateinische Bezeichnung für einen Prediger ist „minister verbi divini“, ein Diener des Wortes Gottes.

Das kommt dem Knecht sehr nahe und zeigt Verpflichtungen auf. Und doch ist es mit großen Verheißungen Gottes verbunden.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan