Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 22. April 2020

Ihr seid alle durch den Glauben Gottes Kinder in Christus Jesus.

Galater 3,26

„wegen Christus durch den Glauben“

Freunde kann man sich aussuchen. Man kann bisherige Freunde auch zu verflossenen Freunden erklären, oder sie werden es einfach. Bei Familienverhältnissen sieht dies anders aus. Diese sucht man sich nicht aus. In diese wird man hineingeboren, ist diesen zugewiesen. Ob ich Kind bin oder nicht, wird nicht stets neu entschieden. Kind bin ich.

Mit dem Glauben bin ich in ein besonderes „Verwandtschaftsverhältnis“ mit Gott getreten. Es wird nicht verdient oder stets neu erarbeitet, es ergibt sich aus dem Glauben. Dabei ist der Glaube selbst keine menschliche Eigenleistung, die ich erbringen muss.

Die Väter des Glaubens haben hier von „propter Christum per fidem“ gesprochen. Sie haben damit einen feinen und doch grundlegenden Unterschied benannt. So können beide Präpositionen mit „durch“ übersetzt werden und doch meinen sie unterschiedliches: „wegen Christus durch den Glauben“.

Die Grundlage unserer Gotteskindschaft liegt nämlich nicht in uns noch in unserem Handeln oder Glauben, sondern allein bei Christus. Wäre es anders, würde die Rede davon, dass wir Gottes Kinder sind, auf sehr wackligen Grundlagen stehen.

Ich weiß nicht, wie es da mit Ihrem Glauben steht. Doch mein Glaube kann ganz schön wackeln oder schrumpfen. Wäre meine Gotteskindschaft davon abhängig, wäre die heutige Losung keine Zusage, sondern eine höchst fragwürdige Angelegenheit.

Würde es an irgendeiner Leistung von mir hängen, wäre das Bild vom Kind außerdem höchst missverständlich, gar falsch.

So freue ich mich an der heutigen Losung und bin dankbar für ihre Aussage.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan