Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 20. April 2020

Der HERR sprach: Dazu habe ich Abraham auserkoren, dass er seinen Kindern befehle und seinem Hause nach ihm, dass sie des HERRN Wege halten und tun, was recht und gut ist.

1.Mose 18,19

Die heutige Losung ruft bei mir ein sehr widersprüchliches Echo hervor.

Ich stimme dieser Mahnung zur Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation nur zu. Es ist und bleibt eine besondere Aufgabe von Eltern und Paten, Ihre Kinder im Glauben zu begleiten. Wer sein Kind zur Taufe bringt, wird bis heute darauf verpflichtet. Wir stehen also in einer guten und wichtigen Tradition. Denn auch unsere Kinder sollen in den Glauben hineinwachsen, der uns als Eltern prägt und wichtig ist.

Aus Greifswalder Zeiten kenne ich eine Familie, bei der dies in drei Generationen bis hin zu Cousins und Cousinen der Fall ist. Die kommen locker bei Familienfesten auf eine Gottesdienstgröße von über 100 Personen mit eigenem Posaunenchor, Organisten an der Orgel, selbst der Pfarrer kommt Familien intern.

Gleichfalls kenne ich auch das Gegenteil, wo sich die Eltern es sehr gewünscht hätten, dass die eigenen Kinder glauben und ebenso Gott vertrauen. Der Glauben jedoch bei den Kindern jenseits des Horizonts erscheint.

Ich kenne beides, das fröhliche Gotteslob ganzer Familien sowie das bange Fragen, warum ausgerechnet bei uns nicht.

„Die Weitergabe des Glaubens an die nächste Generation“ nennt man es in den einschlägigen theologischen Veröffentlichungen. Gleichzeitig liest man auch, dass diese Weitergabe seit etwa 50 Jahren nicht mehr so gut funktioniert. Es kommt zu einem regelrechten Traditionsabbruch.

Und hier kommt es zu meinem widersprüchlichen Echo. Was ist, wenn ich mich als Eltern an die heutige Losung halte, die Kinder jedoch diesen Weg nicht mitgehen? Was ist, wenn den Eltern der Glaube wichtig ist und bleibt, den Kindern jedoch nicht? Da bleibt eine Spannung, die nicht so leicht zu lösen ist – wenn überhaupt je zu lösen.

Bleibt die Erkenntnis, dass die in der Losung geforderte Weitergabe des Glaubens nicht gleichzusetzen ist mit einem Automatismus, als ob jede Weitergabe mit Erfolg gekrönt wird. Und es bleibt das Gebet: Vater im Himmel, ich befehle Dir meine Kinder an, umhülle sie mit Deiner Gegenwart, auf dass sie weiterhin oder neu Dir vertrauen. Amen.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan