Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 2. April 2020

Simeon nahm das Kind Jesus auf seine Arme und lobte Gott und sprach: Herr, nun lässt du deinen Diener in Frieden fahren, wie du gesagt hast; denn meine Augen haben deinen Heiland gesehen.

Lukas 2,28-30

In der christlichen Überlieferung wird aus Simeon ein Greis, auch wenn das Lukasevangelium sein Alter nicht bekannt gibt.

Ob Rubens oder Rembrandt: Ein alter Mann mit langen weißen Haaren und weißem Bart hält ein Baby in Armen!

Und ich kann mich der Wirkung dieser Bilder nicht entziehen. Da ist ein hochbetagter Mensch überglücklich. Viele Jahre lang hat er mit großer Sehnsucht darauf gewartet, war stets im Tempel mit der Hoffnung, dass er dem Heiland begegnet. Vielleicht ist er abends enttäuscht nach Hause gekommen: Wieder nichts! Aber morgen werde ich wieder nach ihm Ausschau halten. Vielleicht war es auch ein Wechsel zwischen Hoffen und Bangen. Aber er ließ es sich nicht nehmen. Er musste im Tempel sein, wenn der Heiland kommt.

Hoffnung und Sehnsucht setzen Kräfte frei, sie dynamisieren, halten am Leben. Geben dem Leben Inhalt und Ausrichtung. So stelle ich mir den Simeon vor. Gute Hoffnung und freudige Erwartung ließen ihn morgens aufstehen.

Und dann hält der greise Mann so ein Bündel voller Leben in Händen. Sein Leben geht, doch mit diesem Menschlein hält er das ganze Leben in seinen Händen. Und ich ahne, warum Gottes Sohn ein Säugling wurde. Während mein Kräfte und mein Leben weniger wird, ist in so einem Menschenkind noch das ganze Leben – gewiss alles ganz klein, aber alles voll gegenwärtig. Gott wendet sich mir zu und mit ihm kommt neues Leben. So legt sich Gott in meine Arme, drückt sich Gott an mein Herz.

Ich kann regelrecht in das Gesicht des Simeon blicken und merke wie mir ein zufriedenes Lächeln entweicht. Jetzt wird alles gut. Ich bin überglücklich und froh. Und ich spüre, wie ich solche Bilder brauche, die mich herausholen aus Sorge und Alltag, hineinstellen in eine andere, in die Wirklichkeit Gottes. Sie bringen das Leben zurück.

Und nicht genug: Dieser Heiland trägt das Leben für die ganze Welt! Ich wünsche mir, ich wünsche uns, ich wünsche dieser Welt, diese gute Hoffnung und freudige Erwartung, dass mit diesem „Kind Jesus“ Gott mit seinem ganzen Leben zu uns gekommen ist und Gott davon nicht abweicht – auch jetzt nicht.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan