Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 18. April 2020

Der Storch unter dem Himmel weiß seine Zeit, Turteltaube, Schwalbe und Drossel halten die Zeit ein, in der sie wiederkommen sollen; aber mein Volk will das Recht des HERRN nicht wissen.

Jeremia 8,7

Das nennt man nicht eigentlich glauben, wenn man Gott vergessen hat.

Früher hat der Storch die Kinder gebracht, heute kommen sie aus dem Krankenhaus. Beides ist gewiss falsch. Und doch stimmt, dass früher die Mehrzahl der Kinder im Frühjahr geboren wurde, wenn der Storch kam. Dann hatten sie mit Blick auf den bevorstehenden Sommer die besten Überlebenschancen. Im Winter wären sie gestorben. So wussten die Menschen mit dem Storch von den Zeiten, wann es sinnvoll ist, Kinder zu empfangen und zu gebären. Und so brachte der Storch die Kinder oder besser gesagt: Mit dem Storch kamen die Kinder auf die Welt.

Noch bevor es Uhren gab, orientierte man sich am Zug der Vögel. „Um Petri Stuhlfeier (am 22. Februar) sucht der Storch sein Nest, kommt von Schwalben der Rest“, besagt die alte Bauernregel. Sie „halten die Zeit ein“ und helfen dem Menschen, sein Leben zu regeln.

Doch weit gefehlt, so die Klage Gottes. Was helfen die Zeiten der Zugvögel, wenn Gottes Volk nichts von Gottes Recht wissen will? Wird an der Geschichte des Volkes Israel nicht exemplarisch deutlich, was auch meine Geschichte ist? Da glaube ich an Gott, will ihm vertrauen. Da nenne ich mich Christ. Und doch versage ich, vergesse Gott, höre zu wenig oder gar nicht auf sein Wort. Und es wiederholt sich stets neu.

Das Buch der Richter folgt einer fast einheitlichen Reihenfolge: Das Volk vertraut Gott, das Volk vergisst Gott, Unheil kommt, das Volk wendet sich wieder zu Gott. Und alles fängt wieder von vorne an. Und ich frage mich, woher wussten die damals schon von meinem (Glaubens)Leben.

Die Klage Gottes über sein Volk ist auch die Klage über mich. Eigentlich müsste ich es besser wissen und tue es doch nicht. So ist es eben mit Erkenntnissen, die mit „eigentlich“ beginnen.

Dazu hat der Lyriker Robert Gerndhardt ein Gedicht geschrieben: „Das nennt man nicht eigentlich suchen, wenn man schon weiß, wo was ist. Das nennt man nicht eigentlich finden, wenn man es gar nicht vermisst. Das nennt man nicht eigentlich lieben, wenn man den Liebling erpresst. Das nennt man nicht eigentlich halten, wenn man ihn fallen lässt.“

Das nennt man nicht eigentlich glauben, wenn man Gott vergessen hat. Doch ich will glauben, hilf meinem Unglauben!

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan