Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 16. April 2020

Wir haben nicht empfangen den Geist der Welt, sondern den Geist aus Gott, damit wir wissen, was uns von Gott geschenkt ist.

1.Korinther 2,12

Vielmehr darf ich handeln, weil Gott bereits für mich alles getan hat.

Wenn man dem deutschen Psychoanalytiker Fritz Riemann Glauben schenken kann, ist die Angst der entscheidende Motivator im Leben. Mit seinen Grundformen der Angst verweist er auf für Typen, die die menschliche Persönlichkeit ausmachen und bestimmen. Hinter allem Tun und Lassen steckt letztlich Angst, so Fritz Riemann.

Ich merke, dass ich aus eigener Erfahrung geneigt bin, ihm zuzustimmen. Allerdings erlebe ich auch eine andere Motivationsquelle. So bin ich vor über 30 Jahren zu einem Schreiner geworden und das, obwohl ich handwerklich zwei linke Hände habe. Aus Liebe heraus hatte ich für meine damalige Freundin und jetzige Frau einen siebenarmigen Leuchter aus Holz geschreinert. Ich verstehe bis heute nicht, wie mir das gelingen konnte.

Es gibt nicht einfach die Angst als Motivator im Leben, sondern auch die Liebe. So verstehe ich die Aussage des Paulus, wenn er die Korinther auf den „Geist der Welt“ und den „Geist aus Gott“ verweist.

Wäre es immer so klar und so einfach, Gott zu folgen, müsste Paulus gar nichts schreiben. Doch gerade weil es eine stete Herausforderung ist und bleibt, spricht er es an.

Und es macht einfach einen Unterschied, ob ich als Getriebener oder als Beschenkter handle. Man merkt mir meine innere Motivations- und Handlungsquelle an.

Als von Gott beschenkter muss ich mich nicht über mein Leisten definieren oder nach Anerkennung von anderen lechzen. Ich bin nicht Ergebnis meines Tuns. Vielmehr darf ich handeln, weil Gott bereits für mich alles getan hat.

Die Angst wird mich irgendwie stets begleiten. Da wird wohl Riemann Recht behalten. Doch will ich mich stets neu vom „Geist aus Gott“ leiten lassen und mich über die Geschenke Gottes in und für mein Leben freuen.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan