Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 15. April 2020

Der HERR, dein Gott, ist bei dir gewesen. An nichts hast du Mangel gehabt.

5.Mose 2,7

Gott ist bei dir gewesen!

Ich weiß nicht, was ich von einer solchen Aussage halten soll. Ich kann sie schier nicht glauben. Da zieht das Volk Israel 40 Jahre durch die Wüste, weil sie Gott an entscheidender Stelle nicht vertrauen wollten, erleben so manche Härte und Not, und im Rückblick heißt es „keinen Mangel“. Ich bekomme das schwerlich zusammen. Wie passen dieser Bußweg von 40 Jahren in der Wüste und diese beinahe feierliche Aussage im Rückblick zusammen?

Die Spannung werde ich nicht ganz loswerden. Und doch erinnere ich mich an die Begegnung mit Menschen, die eher auf der Überholspur des Lebens waren, aber von denen eine Aura der Unzufriedenheit ausging. Dagegen erinnere ich mich auch an die Begegnung mit Menschen, die es eher schwer im Leben hatten, von denen jedoch eine besondere Dankbarkeit ausging. Das Leben hatte sie durchaus durchgeschüttelt, aber geprägt wurden sie durch Gottes Gegenwart und Liebe.

Und ich schaue mir die Aussage nochmals genauer an. Sie besagt nicht, dass alles leicht gewesen sei. Von Glückseligkeit und Luxus ist nicht die Rede. Vielmehr heißt es: Gott ist bei dir gewesen! Und es heißt: Es hat bei allen Herausforderungen und Schwierigkeiten gereicht! Das ist nicht wenig, das ist viel.

Das will ich auch für mein Leben hoffen. Dabei bin ich mir nicht sicher, ob es mir immer und stets gelingt. Es bleibt eine Spannung, die ich wohl nur in der Gegenwart Gottes aushalten kann.

Das Ganze erinnert mich an die Begegnungen von Lothar Zenetti, katholischer Priester und Dichter:

Ich traf einen jungen Mann, kerngesund, modisch gekleidet, Sportwagen, und fragte beiläufig, wie er sich fühle: Was ’ne Frage, sagte er, Beschissen!

Ich fragte, ein wenig verlegen, eine schwerbehinderte ältere Frau in ihrem Rollstuhl, wie es ihr gehe: Gut, sagte sie, es geht mir gut.

Da sieht man wieder, dachte ich bei mir, immer hat man mit den falschen Leuten Mitleid.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan