Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 12. April 2020 Ostersonntag

Maria Magdalena und Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome kamen zum Grab am ersten Tag der Woche, sehr früh, als die Sonne aufging. Und sie sprachen untereinander: Wer wälzt uns den Stein von des Grabes Tür? Und sie sahen hin und wurden gewahr, dass der Stein weggewälzt war.

Markus 16,2-4

Der größte Stein im Leben, der Todesbrocken ist seit Ostern weggewälzt.

Nicht jeder Stein im Leben ist bereits weggewälzt. Manche Steine bleiben und fordern mich heraus. Hier und da versuche ich auszuweichen. Doch manchem Felsbrocken muss man sich stellen. Und so mancher bleibt auch und beschwert das Leben. Auch das gehört zur Lebenserfahrung. Erwachsen ist, wer mit den Beschwernissen des Lebens leben kann, lese ich. Ich wünschte es mir manchmal anders, aber es ist wohl wahr. Das Leben ist auch ein Weg über ein Geröllfeld mit Felsbrocken mitten im Weg.

Das Ganze klingt wie die nüchternen Äußerungen im Buch Prediger im Alten Testament zum Leben oder wie eine pessimistische Weltsicht. Ich würde sie realistisch nennen und eine entscheidende Ergänzung hinzufügen: Der größte Stein im Leben, der Todesbrocken ist seit Ostern weggewälzt.

Von Ostern her erscheint mein Leben in einem anderen Licht. Es sind eben nicht die Schatten des Todes, sondern das Licht des Lebens. Das gilt auch gerade dann, wenn ich wie die drei Frauen auf dem Weg zum Grab bin und Probleme wälze. Gott hat sich meiner Todesängste angenommen. Er weiß um die Sorge meiner Begrenztheit. Sein Sohn ist durch diese hindurchgegangen. Doch der Tod konnte ihn nicht halten. Der Stein ist weggewälzt.

Das Ziel meines Lebens ist nicht einfach Ende oder Tod, sondern Anfang und neues Leben. Darauf gehe ich zu. Gottes Zukunft erwartet mich. Da erscheinen die Erfahrungen von Sorge und Not, Angst und Tod mitten im Leben in einem anderen Licht. Sie werden nicht weniger schmerzlich. Und doch bestimmen sie nicht letztgültig mein Leben.

Denn Christus ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. Und mit ihm werde auch ich auferstehen.

Bis es soweit ist, will ich getrost und getröstet durchs Leben gehen und mich an einer Lebensweisheit orientieren, die ich bei Catharina Elisabeth Goethe (1731-1808), der Mutter von Johann Wolfgang Goethe, gefunden habe:

„Ich freue mich des Lebens, ich suche keinen Dornen, hasche die kleineren Freuden. Sind die Türen niedrig, so bücke ich mich. Kann ich den Stein aus dem Weg räumen, so tue ich es. Ist er zu schwer, so gehe ich um ihn herum. Und so finde ich alle Tage etwas, das mich freut. Und der Schlussstein, der Glaube an Gott, der macht mein Herz froh und mein Angesicht fröhlich.“

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan