Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 11. April 2020 Karsamstag

Christus hat unsre Sünden selbst hinaufgetragen an seinem Leibe auf das Holz, damit wir, den Sünden abgestorben, der Gerechtigkeit leben.

1.Petrus 2,24

Er nimmt die Last von meinen Schultern.

In dem 1986 veröffentlichen Film „The Mission“, der an die „Sete Povos das Missões“, an die Mission der sieben Jesuiten vor der Ankunft der Portugiesen erinnert, gibt es eine bewegende Szene. Die Missionare erklimmen die Iguazú-Wasserfälle und einer von ihnen, brillant von Robert de Niro gespielt, schleppt seine schwere Rüstung mit, die in einem Netz so richtig an ihm hängt. Es ist als selbstauferlegte Sühne gedacht. Immer wieder droht er aufgrund des Gewichts in die Tiefe zu stürzen. Er schleppt eine Schuld und Lebenslast mit sich. Oben angekommen wird er von seiner Last befreit und bricht erleichtert in Tränen aus. Dies ist die Schlüsselszene des gesamten Films unterlegt mit einer Orchestersuite von Ennio Morricone und für mich eine gelungene Darstellung von belastender Schuld, die im Leben getragen werden muss, sowie von Befreiung und Gnade.

Mit diesen Szenen kann ich mich dann auch dem Bild nähern, dass Christus „unsere Sünden selbst hinaufgetragen“ hat. Er nimmt die Last von meinen Schultern. Er befreit mich von meiner Schuld. Die Last ist weg. Ich muss sie nicht mehr tragen.

Und ich lerne, was Vergebung bedeutet. Denn Vergebung macht die Schuld nicht ungeschehen oder wischt sie einfach weg. Es findet vielmehr ein „fröhlicher Tausch“ statt, wie es Martin Luther nannte. Christus wird für mich zur Sünde, damit ich nun frei von Sünde, „der Gerechtigkeit leben“ kann.

Damit werden all jene Lügner gestraft, die meinen, dass man nun weiter wie bisher sündigen darf, weil ja Gott alles vergibt. Das ist ein Zerrbild von der Vergebung Gottes und von dem, was am Kreuz geschehen ist.

Die Freiheit von der Sünde ist eben keine Freiheit, tun und lassen zu können, was ich nun will. Vielmehr ist es die Befreiung, endlich das tun zu können, was dem Leben und der Gemeinschaft dient. Ist Sünde Entfremdung und Entzweiung voneinander, ist Gerechtigkeit das, was dem Leben dient und zur Gemeinschaft verhilft.

So verstanden haben wir mit dem Hinweis auf „Gerechtigkeit leben“ bereits ein Scharnier am Karsamstag zwischen Karfreitag und Ostern.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan