Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 1. April 2020

Ich will mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.

Jesaja 65,19

Der Krise ist das letzte Wort entzogen.

Die heutige Losung ist tückisch. Denn zu schnell meine ich, dass das, was hier benannt wird, schon jetzt Realität ist. Oder ich stoße mich daran, wenn meine eigene Erfahrung noch von Weinen und Klagen geprägt ist. Doch letzteres ist genau der Kontext für die Worte des Propheten Jesaja. Hier ist nichts von Friede und Freude zu sehen. Die Erfahrung spricht eine andere Sprache. Die schwierigen Zeiten sind noch lange nicht vorbei, auch wenn ich es mir schon jetzt so sehr wünsche. Die Zusage Gottes ist in Not vollen Zeiten hineingesprochen. Die Erfahrung der Krise prägt noch, das Dunkel des Tunnels ist und bleibt präsent.

Doch der Krise ist das letzte Wort entzogen. Sie mag noch präsent sein, unsere ganze Aufmerksamkeit abverlangen, auch schmerzhafte Entscheidungen und Einschränkungen mit sich bringen. Die Worte der Hoffnung ersparen uns nicht das dunkle Tal. Aber sie sagen zu, dass bei allem Ende ein neuer Anfang erscheint.

Damit wären wir schon bei Ostern, obwohl wir noch mitten in der Karwoche stecken. An unserem Ende beginnt Gottes Anfang! Weinen und Klagen wird begrenzt; der Freude gehört die Zukunft.

Auf Youtube ist seit wenigen Tagen ein Videoclip zu sehen, der bereits millionenfach angeschaut wurde: Roby Facchinetti – Rinascerò, Rinascerai (Ich werde wiedergeboren, du wirst wiedergeboren). Da heißt es u.a. „Wir werden zurückkommen, um Gott zu vertrauen!“ Es ist eine Art Hommage an das eigene Land Italien und an die Menschen, die sich in schwierigen Zeiten für andere einsetzen. Auch dieses Lied lebt von dem Danach, für das es sich lohnt jetzt zu kämpfen, sich einzusetzen, eben die Hoffnung nicht zu verlieren. https://www.youtube.com/watch?v=D5DhJS5hGWc&pbjreload=10

Wenn der Glaube genährt wird, dass die jetzige Sorge nicht bleibt und die Mühe nicht vergeblich ist, sondern von Veränderung und Neuanfang abgelöst wird, lohnt es sich Verantwortung zu übernehmen und jetzt zu handeln.

Gott spricht: „Ich will mich freuen über mein Volk!“ Das ist der Leitgedanke, die Zusage, die uns begleiten darf jetzt und in Zukunft.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan