Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 31. März 2020

Jene, die fern sind, werden kommen und am Tempel des HERRN bauen.

Sacharja 6,15

Wir blicken über die eigenen Grenzen hinaus.

Abschottung lautet eine wichtige Strategie in schwierigen Zeiten. Grenzen dicht, Bewegungsfreiheit einschränken. Durchaus nach dem Motto: Ein jeder für sich! Ich bin kein Experte, um entscheiden zu können, ob es sich hier um das erneute Erwachen von nationalen Egoismen oder sinnvollen Handlungen handelt. Die Schattenseiten des gegenseitigen Abschottens werden jedenfalls zunehmend deutlich – ob in der Landwirtschaft oder in der Pflege.

Dabei lenkt die Losung unseren Blick in die Ferne. Wir blicken über die eigenen Grenzen hinaus. Das ist der biblische Blick. Denn Gott, an den wir glauben, ist Herr der ganzen Welt. Sein Wirkungskreis umfasst die Enden der Erde. Und Gott selbst bringt Nahe und Ferne zusammen. Und wer schon einmal die Gelegenheit hatte, einen Gottesdienst in anderen Ländern mitfeiern zu dürfen, wird von einer Verbundenheit auch über Sprachen und Kulturen hinweg erzählen können. Das sind besondere Momente, da menschlich Trennendes durch den Glauben überwunden wird.

Aus diesem Glauben heraus hat die Badische Landeskirche Nachrichten aus verschiedenen Partnerkirchen auf www.ekiba.de gesammelt.

Die Erfahrungsberichte aus einigen Partnerkirchen zeigen die derzeit teils noch deutlich bedrohlichere Lage in anderen Ländern. Aus Mailand berichtet beispielsweise eine Pfarrerin der Methodistischen Kirche: „Bergamo ist die am schlimmsten betroffene Stadt. Fast 400 Tote in 7 Tagen. Selbst die Bestatter schaffen kaum mehr ihre Arbeit. Die Särge werden in Kirchen untergebracht, weil in den Leichenhäusern kein Platz mehr ist. Acht Priester sind dort inzwischen gestorben.“ Und ein ökumenischer Gastpfarrer aus der Church of South India erklärt, welche katastrophalen Folgen die Pandemie in Indien haben könnte: „Es wird geschätzt, dass mehr als neun Millionen Menschen in Mumbai in Gebieten leben, in denen die Häuser kaum zwei Meter voneinander entfernt sind. Das Konzept der Quarantäne funktioniert in einer solchen Situation nicht, da 9 bis 10 Personen in einem 10 mal 10 qm großen Raum leben.“

In Zeiten, wo der eigene Aktionsradius eingeschränkt und der Blick vornehmlich auf die eigenen Herausforderungen gelenkt wird, tut es gut, den Blick zu heben und die Sicht für die Weite Gottes nicht zu verlieren.

Bleiben Sie behütet und im Glauben fröhlich!

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan