Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 29. März 2020

Wenn mein Geist in Ängsten ist, so kennst du doch meinen Pfad

Psalm 142,4

Angst hat ihre Grenzen, denn Gott kennt meinen Weg!

Angst zerstört, lähmt uns. Nicht ohne Grund kommt das deutsche Wörtchen Angst von eng und beklemmt. Angst schnürt uns die Kehle zu. International spricht man gar von „German Angst“. Martin Heidegger hat sie zur Grundbefindlichkeit des Menschen gemacht. Sie gehört zu uns. Und Fritz Riemann teilt sie in vier Grundformen auf: Angst „gehört zu unserer Existenz und ist eine Spiegelung unserer Abhängigkeiten und des Wissens um unsere Sterblichkeit“.

Eine beklemmende Beschreibung der Angst habe ich im Gästebuch einer Autobahnkirche gefunden: „Angst. Die ganze Welt klopft in meinem Herzen. Schwarze Sturzfluten quellen aus meinem Gedärm und überfluten meine Seele. Mein Verstand lehnt sich mit zitternden Händen gegen die morsche Tür, hoffend, dass so vielleicht der Wahnsinn nicht aus dem Keller entweicht. Ich habe Angst. Elende Angst. Mir ist schlecht vor Angst. Ich möchte mich im Bett winden, Angstschweiß gebadet, wie ein aufgegrabener Regenwurm, möchte das Knarren der Treppe unter dem Kopfkissen ersticken, suche mit panisch aufgerissenen Augen eine schnelle Erklärung für das Wispern vor dem Fenster, wälze mich hin und her, damit das Knarren des Bettes das Kichern unter der Schädeldecke übertönt. Angst. Gott. Angst. Ich sterbe. Tue was! Komm! Bleib! Rede! Schweig. Lass mich endlich schlafen.“

Das klingt wie eine verdichtete Rede. Gott sei Dank, sind meine Angsterfahrungen nicht so extrem. Und doch gibt es sie. Aus der Losung will ich heute mitnehmen:

Angst gehört zu meinem Leben! Angst rechnet mit den Möglichkeiten des Scheiterns, mit Enttäuschungen und Gewalt. Es spricht für uns, wenn wir Angst haben. Sie macht uns vorsichtig im Umgang mit uns selbst und anderen. Unser Leben und unsere Möglichkeiten sind eben nicht unendlich. Das macht Angst.

Doch Angst hat ihre Grenzen, denn Gott kennt meinen Weg! Das versteht sich nicht von selbst. Angst hat stets die Tendenz sich auszubreiten. Plötzlich bestimmt sie ganz unmerklich unser Leben. Es begegnen uns genügend Menschen in der Bibel mit Angst. Sie rufen zu Gott, klagen ihm ihre Angst. In meinem ganzen Leben will ich mich von Dir, Gott, bestimmen und tragen lassen: Du kennst meinen Lebensweg.

Die Angst ist nicht einfach weg, aber sie bestimmt mich nicht mehr. Denn Gott kennt einen Weg, er kennt meinen Weg.

Ich erinnere mich an meinen alten Jungscharspruch: Mit Jesus, mutig voran!

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan