Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 28. März 2020

Der HERR hat Gefallen an denen, die ihn fürchten, die auf seine Güte hoffen.

Psalm 147,11

Güte erwächst aus der Ehrfurcht vor dem anderen und sie hat ihren Ursprung in der Ehrfurcht vor Gott.

„Das tat ich wohl aus meiner Güte“, ist die verblüffende Antwort von Michel aus Lönneberga. Gerade eben hat er die Lehrerin geküsst, die ihn verdutzt anschaut. Güte ist ein großes Wort aus einem so kleinen Mund. Und es scheint ein altes Wort zu sein. Güte begegnet uns, wenn uns Menschen freundlich anlächeln, wenn Herzenswärme uns begegnet. In der Gegenwart von gütigen Menschen ist gut sein. In ihrer Gegenwart muss nichts leisten, sich nicht rechtfertigen. Ich darf einfach da sein mit allen Begrenzungen, Schwächen, Schieflagen meines Lebens. Ich muss mich nicht verstecken. Das entspannt; das tut gut! Begegnungen mit gütigen Menschen sind Wohltaten, an die man sich gern erinnert. Ich bin willkommen!

So darf ich auf Gottes Güte hoffen. In seiner Gegenwart sein, der ich bin. Darum wundert es mich nicht, dass Gott auch „mein Zufluchtsort“ genannt wird. Bei ihm kann ich mich bergen, Zuflucht finden.

Von Marie von Ebner-Eschenbach stammt der Satz: „Die meisten Menschen brauchen mehr Liebe, als sie verdienen.“ Ich gehöre zu ihnen. Ich bin auf Güte angewiesen. Und ich hoffe, dass ich anderen auch in Güte begegnen kann. Dabei überrascht es mich nicht, dass die Güte mit der Furcht in enger Verbindung steht. Allerdings ist mit Furcht nicht die Angst gemeint, sondern die Ehrfurcht.

Güte erwächst aus der Ehrfurcht vor dem anderen und sie hat ihren Ursprung in der Ehrfurcht vor Gott. Indem ich Gott achte, achte ich jene, die er geschaffen. Dabei spielt es keine Rolle, wer mir da begegnet. Weil ich Gott achte, achte ich jeden, der mir begegnet. Das macht die Ehrfurcht vor Gott. Ich kann nicht anders und ich will es auch nicht anders. Nicht immer gelingt es; manchmal wird es zur Herausforderung. Doch wenn ich von der Güte Gottes lebe, warum sollte diese nicht auch jenen gelten, denen ich begegne?

In Micha 6,8 heißt es: „Der HERR hat euch doch längst gesagt, was gut ist! Er fordert von euch Menschen nur eines: Haltet euch an das Recht, begegnet anderen mit Güte, und lebt in Ehrfurcht vor eurem Gott!“ (nach Hoffnung für alle).

So will ich auf Gottes Güte in schwierigen Zeiten hoffen und mich davon bestimmen lassen.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan