Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 24. März 2020

Der HERR ist gerecht in allen seinen Wegen und gnädig in allen seinen Werken.

Psalm 145,17

So manches ist schwierig und zweifelhaft geworden.
Ich stoße mich an der Losung. Sie ist so thetisch vollmundig, so eindeutig und klar. Ich kann sie kaum fassen, geschweige denn mir zu eigen machen. Dabei sage ich nicht, dass sie falsch ist. Das ganz und gar nicht. Und doch ist sie im Augenblick mir zu groß. Ich brauche es im Augenblick angesichts schwieriger Zeiten zurückhaltender und vorsichtiger, eben kleiner.

Es ist momentan nicht alles klar; vieles ist im Fluss. So manches ist schwierig und zweifelhaft geworden. Da können schon der eigene Glaube und Gott selbst wanken. Natürlich weiß ich, dass Gott selbst nicht zweifelhaft ist. Doch aus meiner Perspektive kann das schon so aussehen. Und ich muss mich mit dieser Aussage nicht verstecken oder schlecht fühlen. Die Psalmen sind voll von Zweifel und Klage. Gott kann sich manchmal in seinem Handeln ganz schön verbergen und fremd machen.

„Bloß keine frommen Sprüche, liebe Gemeinde! Gott hasst sie,“ mahnt der Tübinger Theologe Eberhard Jüngel in einer Predigt über Hiob. Zu steile Thesen und Worte können kaputt machen, mehr als unangemessen sein. Sie trösten nicht, verstören mehr. Ich mag keine pausbäckigen Gewissheiten, weder von mir noch für mich, da sie eh niemand glaubt – jetzt schon gar nicht.

Dennoch will ich mich der Losung stellen, mich vorsichtig an sie herantasten, mich daran abarbeiten. Die beiden G-Worte fallen mir auf. Es sind große mächtige Worte. Denn Gott ist gerecht und gnädig in seinem Handeln. Mit einem hebräischen Stilelement, dem Parallelismus membrorum, wollen sie das gleiche zum Ausdruck bringen.

Gerade angesichts widersprüchlicher Erfahrungen und Zweifeln tut es mir gut, dass Gott mit seinem Handeln „zurechtrücken“ oder „herrichten“ will. Er will die Chaosmächte zurückweisen sowie Leben und Gemeinschaft ermöglichen in Zeit und Ewigkeit. Angesichts von Bedrohungen schaue ich in die Zukunft – nicht im Sinne von „nur die Augen zu und durch“, vielmehr im Sinne von „Gottes Gnade trägt und verlässt mich nicht“. Sie ist mir zugesagt.

Und darum gilt: Da wird Gott auch Wege für mich finden, da mein Fuß gehen kann, auch wenn ich sie noch nicht zu erkennen vermag. Selbst da, wo die eigene Gewissheit erschüttert wird, trägt und hält Gottes Handeln und sein Zuspruch. So kann ich mit den thetischen Formulierungen glauben und leben. So wird aus der Losung ein „Anker im Sturm“.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan