Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 23. März 2020

HERR, du bist’s allein, du hast gemacht den Himmel und aller Himmel Himmel mit ihrem ganzen Heer, die Erde und alles, was darauf ist, die Meere und alles, was darinnen ist.

Nehemia 9,6

Der Zählmeister der Sterne, weiß auch um dich und hat dich lieb!

Als unsere Kinder noch klein waren, gehörte „Weißt du wie viel Sternlein stehen“ zum Liederrepertoire am Abend. Und zum Schluss hieß es: „Kennt auch Dich und hat Dich lieb“. Dabei haben wir stets leicht mit dem Zeigefinger auf die Brust gedrückt. Darauf haben unsere Kinder richtig gewartet. Es war diese wichtige Zuspitzung: Der Zählmeister der Sterne, weiß auch um dich und hat dich lieb! Diese persönliche Konkretion der Zuwendung Gottes brauchen Menschen aller Generationen. Sie ist wichtig! Sie tut uns gut! Ich bin Gott wichtig!
In umgekehrter Richtung ist eine Weitung und Öffnung nicht minder wichtig. Wer sich nur um sich selbst dreht, dem wird es schnell schwindlig. Es tut gut, den Blick heben und von sich weg wenden zu können. Das befreit mich aus dem eigenen Gefängnis gerade in sorgenvollen Zeiten. Ich bin nicht allein. Es gibt andere. Es geht nicht nur um mich! Der Nabel der Welt liegt wo anders.
Ich hebe meinen Blick und blicke auf den, der alles gemacht hat und erhalten will. Die Losung lenkt meinen Blick auf den Himmel; ich erinnere mich an den Zählmeister. Ich werde auf einen großen Berg gestellt, sehe die umliegende Landschaft, staune über Gottes reiche Schöpfung. Ich stehe am Meer und blicke bis zum Horizont; Weiten tut sich auf angesichts des Rauschens der Wellen. Das alles hat Gott gemacht. Und ich gehöre dazu. Ich gehöre zu Gott.
Das befreit mein Herz aus der eigenen Enge. Es ist wie am Ende eines Tunnels, wenn es wieder licht wird. Ich darf durchatmen, wo es mir zuvor den Atem nahm. Die Probleme werden dadurch nicht einfach weggeblasen. Doch schöpfe ich neue Kraft, mich ihnen wieder zuwenden zu können, um ihnen nicht hilflos ausgeliefert zu sein. Denn Enge begrenzt, macht mich mutlos und handlungsunfähig. Weite schenkt neue Handlungsoptionen und Hoffnung.
Diese Weitung des eigenen Herzens und Orientierung am Horizont Gottes nehmen viele Lieder auf. So empfehle ich in Krisenzeiten sowie zur Prävention eine emotionsorientierte Behandlung mit der traditionellen Paul-Gerhardt-Therapie: „Geh aus mein Herz und suche Freud“ mit 15 Strophen täglich. Dies kann mit 6 Strophen gemäß der Joachim-Neander-Methode abwechselnd angewandt werden. In schweren Fällen sollte die Therapie mit 12 Strophen „Befiehl du deine Wege“ ergänzt werden. Langzeitstudien zeigen gute Erfolge bei regelmäßiger Anwendung. Und neuere Studien verweisen auf Albert Frey oder „Leg deine Sorgen nieder“ nach Sefora Nelson. Die verschiedenen Methoden können dabei unbedenklich miteinander kombiniert werden.
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

Martin Reppenhagen, Dekan