Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 21. März 2020

Der Herr spricht: Ich will Frieden geben in eurem Lande, dass ihr schlaft und euch niemand aufschrecke.

3.Mose 26,6

Normalerweise schlafe ich gut. Bevor meine Frau ihr Kopfkissen gerichtet hat, schlafe ich schon tief und fest.

Und doch gibt es Zeiten, in denen ich um den Schlaf gebracht werde. Wo die Sorgen groß werden, wird die Nacht kurz. Die unbeantworteten Fragen, die notvollen Gedanken und Gefühle des Tages setzen sich fort im Schrecken der Nacht. So mancher schläft schlecht, weil Sorgen, Nöte, Leid und Trauer sein Herz erfüllen, in die Enge treiben. Und das nicht erst seit der Corona-Krise.

Heute Morgen lese ich auf Spiegel Online: „Wie das Virus die deutsche Politik überfordert“. Und ich denke, wie wahr. Das Gefühl der Überforderung breitet sich viral aus und kein Ende abzusehen.

Es kommt schon darauf an, aus welcher Erfahrung heraus ich die Losung heute lese. Lese ich sie nach einer guten und ruhigen Nacht mit erholsamem Schlaf, wird sie mir zum Grund des Dankes: „Herr, ich danke Dir für die Ruhe, den Frieden, der Nacht. Ich danke Dir, dass ich ausgeschlafen in den Tag gehen darf.“ War die Nacht kurz, die Sorgen groß, blicke ich auf das „Ich will“. Denn nehme ich die Losung genau, ist der Zustand noch nicht da. Er ist versprochen: „Vater im Himmel, mache deine Verheißungen in dieser Welt und in meinem Leben wahr. Erhalte uns angesichts alter und neuer Bedrohungen. Mache es am Ende gut!“

Die Losung wird zum Sehnsuchtstext. Danach sehne ich mich. Es ist noch nicht da. Noch ringe ich mit den Wirklichkeiten. Doch sie sollen mich nicht bezwingen. Ich trotze ihnen! Warum? Weil Gott versprochen hat, diese Welt, seine Schöpfung, nicht im Chaos untergehen zu lassen. Daran will ich mich hängen und stützen, wenn mir selbst der Boden unter den Füßen fehlt. Regenbogen, Kreuz und Auferstehung stehen dafür.

Die Stürme sind da und die Wogen werden höher, doch Jesus „sprach zu ihnen: Wo ist euer Glaube? Sie fürchteten sich aber und verwunderten sich und sprachen untereinander: Wer ist dieser, dass er auch dem Wind und dem Wasser gebietet und sie sind ihm gehorsam?“ (Lukas 8,25) Ich nehme Jesu Frage seelsorglich helfend nicht verurteilend. In Nöten darf neuer Glaube wachsen.

Noch ist es nicht so weit. Doch eine Sehnsucht erfüllt mein Herz: „Da wohnt ein Sehnen tief in mir“ nach Gottes Frieden in dieser Welt, dass Gott den Lebensdurst von Menschen stillt. Ich bitte, „dass du, Gott, das Sehnen stillst … Wir hoffen auf dich – seid da, sei uns nahe, Gott“. Möge es so sein!

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan