Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 20. März 2020

Darum bin ich guten Mutes in Schwachheit, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen und Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, so bin ich stark.

2.Korinther 12,10

Ich habe gern alles unter Kontrolle.
Unsere Familienurlaube waren und sind stets generalstabsmäßig vorbereitet, sodass sich gelegentlich der Rest der Familie über mich lustig macht. Ich will nichts dem Zufall überlassen, stets Herr der Lage sein. Es ist für mich ein Supergau, wenn Prozesse aus dem Ruder laufen, ich sie nicht mehr steuern kann. Gott sei Dank, ist das nicht zu oft passiert. Ich kann schlecht damit umgehen.

Doch was ist, wenn sich Prozesse und Entwicklungen meiner Lenkung und Kontrolle entziehen? Wenn ich nicht daran denken will, was alles passieren kann, aber ständig daran denken muss? Wenn die Distanz zu den Ereignissen schwindet, das Herz schwerer und der Kloß im Magen größer wird?
Was ist, wenn ich zur Erkenntnis komme, dass es mit meiner Stärke und mit meinen Möglichkeiten ganz und gar nicht reicht? Ich kann diese Fragen nicht leiden. Ich kann sie aber auch nicht vermeiden. Sie drängen sich mir auf. Hilflos sein, ist Mist! Dabei bin ich noch nicht so weit, wie der Paulus von gutem Mut zu sprechen. Der ist mir verloren gegangen.

Guter Mut stellt sich doch erst dann ein, wenn bei allen Schwierigkeiten und Sorgen das Ziel klar und der gute Ausgang wahrscheinlich ist. Nun klingt das alles recht depressiv. Allerdings resigniert habe ich nicht. Ich gebe nicht auf, sagt meine innere Stimme. Ob es Mut oder Verzweiflung ist? Vielleicht ja auch beides.

Dass ich schwach bin, wird mir immer deutlicher. Ich kann es nicht wuppen. Ob es gelingt oder nicht, liegt nicht in meiner Hand. Und plötzlich erlebe ich, wie ich nicht allein bin, wie andere sich einsetzen, dass es zu einem guten Ende kommt. Ich schöpfe Mut in schwierigen Zeiten. Gott selbst kommt mir nahe.

Wir haben noch nicht das Ende der schwierigen Zeiten erreicht. Die Kurve geht weiter bedrohlich nach oben. Der DAX deutlich nach unten. Noch arbeiten wir daran, dass sich die Kurve beugt. Noch ist es nicht soweit.

Vater in Himmel, schenke mir Mut, der mir abhandengekommen ist. Schenke mir neue Kraft, für die Dinge, die ich angehen muss. Schenke mir Vertrauen, dass bei allen meinen Begrenzungen, Du der Herr der Zeiten und meines Lebens bist. Amen.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan