Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 19. März 2020

Der HERR wandte sich Israel wieder zu um seines Bundes willen mit Abraham, Isaak und Jakob und wollte sie nicht verderben, verwarf sie auch nicht von seinem Angesicht bis auf diese Stunde.


2.Könige 13,23

Nun sollen wir also Sozialkontakte möglichst vermeiden, sagte unsere Bundeskanzlerin erneut gestern Abend in ihrer ersten außerordentlichen Rede an die Nation in 15-jähriger Regierungszeit.

Die Ansteckungsketten sollen durchbrochen werden und Risikogruppen geschützt. Die Lage ist ernst. Ernst hat sie es formuliert. Das Virus lässt uns auf Distanz gehen. Unsere Nachbarn nehmen es auch ernst. So haben sie keinen Besuch mehr von ihren Enkeln. Dafür sitzen nun Ernie und Bert und Krümelmonster am Esstisch. Und sie skypen, um den Kontakt zu halten. Doch mal ehrlich, nichts geht über den leiblichen Kontakt. Digitale Medien können helfen, dass wir in Beziehung bleiben, aber den unmittelbaren Kontakt können sie nicht ersetzen. Beziehung auf Distanz ist auf Dauer Mist!
Die Theologen des Mittelalters sagten, dass Gott der einzige ist, der sich selbst genug ist. Er kann allein sein und ist auf niemanden angewiesen. Sie redeten von der Selbstgenügsamkeit Gottes! Und es ist wahrlich paradox. Der Mensch, der nicht allein überleben kann, eben auf andere angewiesen ist, will es trotzdem versuchen. Gott, der es allein könnte, will es nicht. Denn Liebe schenkt sich, gibt sich, investiert in Beziehung, lebt in Resonanzen.
Seit dem Paradies begleitet dies uns Menschen: Wir meinen, es selbst stemmen zu können. Der Homo faber steckt in uns. Die Geschichte des Volkes Israel ist voll solcher Erzählungen: Wir wollen es ohne Gott schaffen. Und so wird erzählt, dass es schief geht. Und es wird erzählt, dass sich Gott immer wieder neu zuwendet. Er sucht die Beziehung, tritt mit seinem Volk in Kontakt, schafft Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch, zwischen Mensch und Mensch. Aus Liebe will er gar nicht anders.
So will ich mit der heutigen Losung hoffen, dass uns diese Krise, die uns mittlerweile in einen Dauerzustand des Stresses versetzt, nicht auseinanderbringt, dass wir Balkonchöre hören, dass Beziehungen auf Distanz wieder zueinander finden, dass wir wieder unsere Liebsten umarmen dürfen, dass wir in ein freundliches Angesicht Gottes blicken können.
Ich will glauben, dass Gottes Treue zu seinem Bund mit seinem Volk und mit uns Menschen wieder neu aufbricht, uns trägt und hält, uns Zukunft schenkt. Das soll mein Halt, meine Hoffnung und Orientierung sein.
Bleiben Sie im Glauben fröhlich!

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan