Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 18. März 2020

Es wartet alles auf dich, HERR, dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit. Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt.
Psalm 104,27-28

Es kommt nicht oft vor, dass ich beim Lesen der Losung ins Stocken gerate. Heute war es der Fall! Das Warten schmerzt gerade und das Gute scheint ungewiss.

Wir betreten in diesen Tagen eine Terra Incognita, unbekanntes Gebiet, für das es noch kein umfangreiches Kartenwerk gibt. Karten müssen erst erstellt werden aufgrund der Pioniererfahrungen, die wir gerade machen. Vieles ist noch offen oder unklar, muss sich erst zeigen. Und hinter der nächsten Biegung stehen wir vor neuen Herausforderungen und Entscheidungen, die die alten wiederum in Frage stellen. Wir orientieren uns neu. Wir sortieren neu. Und wir versuchen weiterzugehen, gewiss auch fragend und stolpernd.

Manchmal müssen wir auch warten. Doch Warten ist Mist! Gerade da, wo das Warten nicht von Vorfreude geprägt ist, sondern begleitet wird von bangen Fragen und Sorgen. Das Warten auf den ärztlichen Befund oder auf das Ergebnis einer Prüfung. Das Warten, wenn der Arbeitsplatz unsicher wird oder das Ende einer Krise noch nicht abzusehen ist. Das Fragen, wie es denn angesichts dieser globalen Kreise weitergehen soll.

Die heutige Losung liest sich leicht, wenn sie nur bestätigt, was wir an Gutem schon empfangen haben, wenn die gute Speise bereits von der Hand in den Mund gewandert ist, wenn der Bauch voll ist. Doch wie liest sie sich, wenn wir noch nicht haben, sondern noch warten und der Ausgang ungewiss bleibt? Ist Gottes Zeit auch unsere Zeit? Können wir am Ende sagen, dass Gott uns mit Gutem sättigt?

Dann wird unser Blick von den Gaben weg auf den Geber selbst gelenkt. Im Warten begegnen wir Gott selbst, auf den wir unser Vertrauen setzen dürfen. Im eigenen Fallen werden wir auf Gott selbst geworfen. Das geschieht nicht mit großer Sicherheit, da wir ja noch nicht haben, was wir brauchen und wollen. Das geschieht mit Fragen und Zagen, stolpernden Schrittes. Es geschieht mit der Spannung der Jahreslosung: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ Markus 9,24

So will ich die heutige Losung neu lesen, auch wenn ich stocke. Ich will hoffend Warten, dass Gott zu seinen Verheißungen steht. Es sind dabei nicht die großen sicheren Schritte, sondern ein Vorantasten geprägt von dem Vertrauen auf Gott selbst.

Gott im Himmel, hilf meinem Unglauben, dass ich glauben kann: Du tust deine Hand auf und sättigst uns mit Gutem!

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan