Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 22. Dezember 2020

Gott, du bleibst, wie du bist, und deine Jahre nehmen kein Ende.
Psalm 102,28

»Ein Mann, der Herrn K. lange nicht gesehen hatte, begrüßte ihn mit den Worten: ›Sie haben sich gar nicht verändert.‹ ›Oh!‹ sagte Herr K. und erbleichte.« (Bertold Brecht)
Und Hannes Wader sang: „und es ist mir längst klar, dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war“.
Veränderungen machen das Leben aus. Denn wer sich nicht mehr verändert, ist schon tot. Denn nur der Tod ist der große Ort der Unveränderbarkeit. Das Leben ist es nicht. Und weil dem so ist, erkennen wir das Leben besonders an kleinen Kindern, weil bei ihnen die steten Veränderungen am deutlichsten zu erkennen sind.
Bei Gott scheint es anders zu sein. Sein Zeichen ist Beständigkeit. Allerdings nicht die Beständigkeit eines monolithischen Blocks, der irgendwo unbeweglich dasteht. Dann wäre es ein toter Gott. Wenn Gott bleibt, wie er ist, dann doch wohl eher so, dass auf ihn Verlass ist und dass er das Leben bringt.
Denn wäre er unbeweglich, wäre Gott nicht 40 Jahre mit dem Volk Israel durch die Wüste gewandert, hätte er für Ninive den Untergang gebracht, wie vom Propheten Jona angekündigt, und nicht das Leben und die Zukunft, als sie wieder zu Gott umgekehrt waren. Es gibt vieles in der Bibel zu entdecken über die Beweglichkeit und Veränderungsbereitschaft Gottes.
Doch in einem zeigt Gott eine große Beständigkeit, wenn es um seine Verlässlichkeit und Liebe geht. Ich kann mich auf Gott verlassen. Darin bleibt Gott eben Gott. Da können ihm selbst jene Jahre nichts anhaben, die uns Menschen sehr wohl zeichnen können.
Während die Zahl meiner Jahre also kürzer wird, hat Gott noch viele vor sich. Das kommt davon, wenn man nicht der Zeit verfallen ist, sondern der Ewigkeit angehört.
Und so blicke ich dankbar auf die Veränderungen, die das Leben so bringt. Und ich blicke gleichermaßen auf die Beständigkeit Gottes in meinen Leben und dieser Welt. Beides zusammengenommen ergibt ein gutes Paar, das tanzend durchs Leben geht.
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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