Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 18. Dezember 2020

Tut Buße, denn das Himmelreich ist nahe herbeigekommen!
Matthäus 3,2

So lautet die knappe Zusammenfassung der ganzen Botschaft Jesu im Matthäusevangelium. In diesem kurzen Satz steckt also das ganze Evangelium, das ist sein Kern. Dabei fällt mir auf, dass Buße gar nicht positiv besetzt ist. Eine Bußpredigt will niemand hören. Den Bußgeldbescheid will niemand bekommen. Und wenn meine alte Tante, die nicht mehr lebt, darum schreibe ich das hier, ihr zweites Stücke Torte gegessen hatte, musste sie das nach ihren eigenen Worten immer büßen. Das klang in meinen kindlichen Ohren auch nicht erstrebenswert.
Dagegen hat die Buße in der Bibel einen weit besseren Klang, wird sie doch mit der Freude im Himmel verbunden: „So, sage ich euch, ist Freude vor den Engeln Gottes über einen Sünder, der Buße tut.“ (Lukas 15,10) Und wer ein wenig recherchiert, stößt auf Buchtitel wie „Die Freude der Buße. Zur Grundfrage der Bibel“. Und da lese ich, dass Buße eine Frage der Beziehung ist. Es geht um Umkehr zu Gott. Am besten wird dies im Gleichnis vom verlorenen Sohn beschrieben, als dieser sich aufmacht und zum Vater zurückkehrt. Und was daran Freude ist, erkennt man am Verhalten des Vaters. Der feiert ein Fest. Das ist großes Kino!
Wenn Jesus davon spricht, dass wir Buße tun sollen, meint er eine Erneuerung unserer Beziehung zu Gott und damit auch eine Erneuerung unseres Lebens.
Ein Lied, das zum festen Bestandteil des Advents gehört, beschreibt die Buße auf seine Weise (EG 1,5):
Komm, o mein Heiland Jesu Christ, meins Herzens Tür dir offen ist.
Ach zieh mit deiner Gnade ein; dein Freundlichkeit auch uns erschein.
Dein Heilger Geist uns führ und leit den Weg zur ewgen Seligkeit.
Dem Namen dein, o Herr, sei ewig Preis und Ehr.
Wenn das Buße beschreibt, dann ist Buße mein täglich Ding. So ähnlich hat es auch schon Martin Luther gefasst.
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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