Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 16. Dezember 2020

Du bist der Gott, der Wunder tut, du hast deine Macht bewiesen unter den Völkern.
Psalm 77,15

Wo kämen wir hin, wenn wir nicht mehr an Wunder glauben? Antwort: Nicht weit!

Ich gebe zu, dass wir gelernt haben, vieles machen zu können. Modernste Technik erleichtert uns den Alltag. Modernste Medizin wehrt immer mehr Krankheiten. Selbst Gelenke und Gliedmaße können durch Chrom-Kobalt-Molybdän ersetzt werden. Vieles können wir leiten und lenken oder voranbringen. So mancher meint, dass wir auf Wunder verzichten können, weil wir doch alles bestens im Griff haben – oder es wenigstens versuchen. Wir haben uns die Welt verfügbar gemacht.
Doch dann erleben wir, dass wir eben nicht alles unter Kontrolle haben, dass wir auf das Handeln eines anderen engwiesen sind, dass wir auf Wunder angewiesen sind.
Da wird es zum Wunder, dass aus einen Kirschkern ein großer Baum wird, dass aus einem Michel aus Lönneberga doch noch was wird – bei Astrid Lindgren wird er gar Bürgermeister, dass man nach Streit wieder zusammenfindet, dass trotz eigener Schuld und Begrenzungen das eigene Leben nicht gegen die Wand fährt.
Ich könnte schier beliebig fortfahren. Was und wo wäre ich, wenn es nicht Wunder in meinem Leben geben würde – doch nicht nur in meinem Leben, sondern gerade in dieser manchmal so verfahrenen Welt.
Ich kann gar nicht anders, als an einen Gott zu glauben, „der Wunder tut“. Und Gott sei Dank, sind Gottes Wunder nicht auf kleine Aktionsfelder begrenzt, sondern umspannen die ganze Welt.
Dabei lasse ich mir gern sagen, dass nicht die Größe ein Wunder ausmacht, sondern das Erleben, dass eben bei weitem nicht alles in meiner Kontrolle steht oder an meinem Tun hängt.
Wo käme ich denn hin, wenn tatsächlich alles von mir abhängen würde? Antwort: Nicht weit!
Nur gut, dass es Gottes Wunder gibt!
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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