Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 10. Dezember 2020

Die Herrlichkeit des HERRN soll offenbart werden, und alles Fleisch miteinander wird es sehen; denn des HERRN Mund hat’s geredet.
Jesaja 40,5

Es bedarf wohl einer Erklärung, dass mir bei der heutigen Losung dieses Kreuz eingefallen ist, das ich vor Jahren auf der Karlsbrücke in Prag aufgenommen habe

Mit hebräischen Schriftzeichen ist zu lesen: „Kadosch, kadosch, kadosch adonai zevaot“ (Heilig, heilig, heilig, Herr der Heerscharen).
Ich habe mich gefragt, wie sieht Gottes Herrlichkeit aus. Denn Hebräisch Kawod, auf Deutsch Herrlichkeit, bezeichnet die Erscheinungsart Gottes, wie Gott Menschen begegnet. Herrlichkeit beschreibt die Gegenwart und Nähe Gottes bei den Menschen.
Dabei werden die beiden A&O-Worte, kadosch und kawod, gern zusammen genannt. Denn Gott ist heilig und erscheint den Menschen gegenüber in Herrlichkeit, versetzt Menschen in Staunen.
Dabei mag es erstaunen, dass mir ausgerechnet eine Kreuzesdarstellung einfällt. Gerade am Kreuz zeigt sich die Herrlichkeit Gottes. „Er (Christus) ist der Abglanz seiner Herrlichkeit und das Ebenbild seines Wesens“, heißt es im Hebräerbrief (1,3). Wer die Herrlichkeit Gottes daher sehen will, schaut auf Christus – und hier auf das Kreuz.
Denn der heilige Gott, anders formuliert „der ganz andere Gott“, tritt in die Bresche des Todes. Gott kommt zu uns Menschen und nimmt selbst unsere Abgründe auf. Menschlich gesprochen hat dies nichts mit Herrlichkeit zu tun.
Doch wenn Herrlichkeit beschreibt, wie Gott von uns Menschen erkannt wird und wir ins Staunen über Gott kommen. Dann passen Herrlichkeit und Kreuz zusammen.
Denn so hat sich Gott uns Menschen angenommen, was allen Menschen bekannt gemacht werden soll.
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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