Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 06. Dezember 2020

Es gefällt mir, die Zeichen und Wunder zu verkünden, die der höchste Gott an mir getan hat.

Daniel 3,32

Da saßen sie bei uns zu Hause am Tisch. 8 lutherische Pastorinnen und Pastoren aus Dänemark. Sie waren auf einer Studienfahrt nach Greifswald gekommen. Das Abendessen lag hinter uns, der gemütliche Teil begann. Uns ging es gut und ich fragte: „Warum glauben Sie? Können Sie aus Ihrem Glaubensleben erzählen?“ Alle verstummten und schauten sich irritiert an. Plötzlich war irgendwie die gemütliche Runde vorbei. „Das hat uns noch niemand gefragt“, meinte einer. „Mag sein“, entgegnete ich, „doch ich habe es nun gewagt.“
Und dann fing einer an und erzählte. Ein anderer folgte. Schlussendlich hatten wir alle eine Erzählung, einen Beitrag beisteuern können. Es blieb beim gemütlichen Abend. Und vielleicht war es die englische Sprache, derer wir uns alle bedienen mussten. Denn die Verfremdung hilft manchmal, ungewohntes zu wagen.
Vier Jahre später war der Studienleiter für Gemeindeentwicklung der Lutherischen Kirche in Dänemark erneut in Greifswald und erzählte, dass dieser Abend und diese Frage eine gewisse Nachhaltigkeit hinterlassen hätte. Sie würden es nun öfters machen – über den Glauben und die eigenen Gotteserfahrungen ins Gespräch zu kommen.
Ist es vermessen zu sagen, dass wir alle dazu etwas beitragen können?
Dabei meine ich gar keine großartigen Geschichten, sondern die kleinen Erzählungen des eigenen Lebens. Oder anders formuliert: Ich bin davon überzeugt, dass es gute und persönliche Gründe gibt, an Christus zu glauben und Gott zu vertrauen. Das können wir doch benennen und erzählen.
Das kann man gewiss nicht überall. Dazu braucht es Orte des Vertrauens, eine Art Schutzraum. Da kann man sich dann nicht mit seinen vermeintlich kleinen Geschichtlein blamieren. Vielmehr tragen die vielen kleinen Erzählungen dazu bei, dass wir uns gegenseitig im Glauben stärken und uns unseres Glaubens vergewissern.
Wir sind gemeinsam unterwegs.
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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