Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 05. Dezember 2020

Ein Vater der Waisen und ein Helfer der Witwen ist Gott in seiner heiligen Wohnung, ein Gott, der die Einsamen nach Hause bringt, der die Gefangenen herausführt, dass es ihnen wohlgehe.

Psalm 68,6-7

Nach Auffassung der Experten zum Neuen Testament war ein gewichtiger Grund für das rapide Wachstum der Christenheit in den ersten Jahrhunderten der Umgang der christlichen Gemeinden mit ihren Witwen, Waisen und Sterbenden. So schrieb der bekannte Kirchengeschichtler Adolf von Harnack bereits Anfang des 20. Jahrhunderts von dem „Evangelium der Liebe und der Hilfeleistung“, das maßgeblich zur besonderen Attraktivität des Christentums in der spätantiken Gesellschaft beitrug.
Später waren es die Gründung von Hospitälern, der Bau von Kirchen auf Friedhöfen. Verkürzt formuliert, ist der Kirche das Krankenhaus mitgegeben.
Die Tradition, dass der Blick nach oben zu Gott gleichsam den Blick nach unten zu den Bedürftigen umfasst, zeigt sich manchmal an für uns heute ungewohnten Orten. So beginnt der traditionelle Funkrufnamen der Feuerwehren mit Florian, dem früheren römischen Spritzenführer (Feuerwehrmann) und Heiligen. Bei der Polizei begann es mit Günther, in Erinnerung an den Heiligen Georg, dem Kämpfer gegen die Chaosmächte und Beschützer der Bedrohten. Die Rettungshubschrauber tragen traditionell den Namen Christopherus (wörtlich: der Christusträger). Wie Christus getragen wird, so soll auch der Verletzte transportiert werden.
Dabei macht die Bibel kein Geheimnis daraus, dass Gott sich eng mit den Bedürftigen verbündet. Selbst an Heiligabend wird es deutlich, wenn die Ersthörer die Hirten auf dem Felde waren. Mit den heutigen Begriffen formuliert galt die Weihnachtsbotschaft Menschen aus prekären Milieus.
Dabei sollte uns zu denken geben, dass Kirche durchaus einiges für in unserer Gesellschaft Benachteiligte tut, dass jedoch Menschen aus diesen Milieus nur sehr selten selbst in unseren Gemeinden vorkommen.
Was sagt uns das?
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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