Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 01. Dezember 2020

Führt euer Leben in Gottesfurcht, solange ihr hier in der Fremde weilt.

1.Petrus 1,17

Heimat ist ein typisch deutsches Wort, das man schwerlich in andere Sprachen übersetzen kann, weil diese ein vergleichbares Wort nicht haben. Heimat ist ein positiv besetztes Wort. Heimat, da komme ich her, da bin ich zu Hause, da darf ich sein. Heimat hat was zutiefst emotionales. Manchmal ist sie wie in Heimatfilmen romantisierend oder kitschig überhöht und verklärt. Mit Heimat verbinden sich Herkunft, Beziehungen, Erlebnisse, Gefühle, Geschichte, Bilder, Eindrücke, Sprache. Als Sehnsuchtsort ist Heimat ein Ort völliger Entspannung und Ruhe.
Heimat ist jedoch auch Ort von Schuld und Enttäuschung, Trauer und Leid. Heimat hat seine Ambivalenzen, wie unser ganzes Leben. Wir tragen diese Spannungen mit uns und wir tragen sie in unsere Heimat ein.
Stellt sich die Frage, wo Christenmenschen ihre Heimat haben. Bei Christus, bei Gott sagt die Bibel, im Himmel. Wer an Christus glaubt, hat seine Heimat im Himmel gefunden. So sprechen wir auch von der letzten Heimat.
So spricht die Bibel vom Leben auf der Erde als einem Leben in der Fremde. Die an Christus glauben sind gar Fremdlinge. Sie glauben und leben etwas, was anderen fremd ist oder fremd geworden ist. Unsere irdische Heimat durchläuft eine Brechung.
Ein Blick in die Geschichte des Volkes Israel verdeutlicht das. So beschreiben die Propheten des Alten Testaments die Erfahrung einer verlorenen und zerstörten Heimat, eine Vertreibung durch Gott selbst aus der Heimat. Eine verlorene Heimat gehört fest zur Erinnerungsgeschichte des Volkes Israel. Die Zerstreuung, die Diaspora, hat das Volk geprägt. Durch die Erfahrung haben Juden gelernt, überall auf der Welt Heimat finden und Heimat gestalten zu können. Denn die eigentliche Heimat ist bei Gott.
Durch Christus sind Christen in diese Geschichte mit hineingenommen. Ihnen kann jeder Ort zur Heimat werden, an dem sie dann „in Gottesfurcht“ leben.
Damit verlieren wir nicht unsere irdische Heimat. Vielmehr erhält sie eine neue Bedeutung ohne falsche Überhöhungen und Schutznotwendigkeiten.
Und gerade im Advent werden wir daran erinnert, dass wir unsere Heimat noch nicht gefunden haben, sondern auf den warten, der alles neu macht.
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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