Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 30. November 2020

So spricht der HERR Zebaoth: Wer euch antastet, der tastet seinen Augapfel an.

Sacharja 2,12

Der Bulbus oculi ist hier gewiss nicht gemeint, auch wenn er hier Pate stand. Und wenn wir davon sprechen, jemanden oder etwas wie unseren Augapfel zu hüten, bestätigen wir nur erneut, wie sehr unsere deutsche Sprache in der Sprachwelt der Bibel verwurzelt ist. Denn wir nehmen erneut ein Bildwort bzw. eine Redewendung der Bibel auf und jeder versteht, was gemeint ist. Denn wer jemanden wie seinen Augapfel hütet, muss diesen jemand besonders lieben. So halte ich also fest, dass sich Gott in besonderer Weise dem Volk Israel verbunden weiß. Er liebt sein Volk! Und er hält zu seinem Volk. Wer nun meint, dass Gott damit auch mit allem einverstanden ist, was sein Volk meint und tut, sollte nochmals genauer die biblischen Erzählungen anschauen. Der Augapfel Gottes zu sein, ist wahrlich eine große Auszeichnung. Da steht man in einer besonderen Beziehung und darf sich darüber ausdrücklich freuen. Dabei macht die Bibel kein Geheimnis daraus, dass dies nicht der Verdienst des Volkes Israel selbst ist, sondern alles in Gottes Liebe seinen Ursprung hat. Dabei stehen wir Christen in einer besonderen Beziehung zum Volk Israel. So war Jesus, an den wir glauben, ein Jude. Und an der Geschichte Gottes mit seinem Volk zeigte er auf, wie Gott sich die Beziehung zwischen Gott und Mensch vorstellt. Hier sehen wir, wie Gott handelt und Gemeinschaft aufbauen will und wie Gott selbst zu seinem Wort steht. Auf Gott ist Verlass, denn er hält den Bund, den er mit seinem Volk geschlossen hat! Damit ist zugleich eine große Verpflichtung verbunden. Kurzum, wer in dieser besonderen Beziehung zu Gott steht, lebt auch nach den Bedingungen und Regeln dieser Gottesbeziehung. Der „Augapfel Gottes“ handelt nach Gottes Vorstellungen. Dass dies nicht immer geschieht noch gelingt, zeigt ein erneuter Blick in die Bibel. Bis hin zum Gericht Gottes wird dies in der Bibel aufgezeigt. Und doch ändert dies nichts daran, dass sie der Augapfel Gottes sind. Ich nehme in diesen Tag mit und bin so frei, die Rede vom Augapfel Gottes auch auf mich zu übertragen, dass Gott mich wie seinen Augapfel hütet, dass Gott mich liebt. Das mag für manchen banal oder trivial klingen. Ich nehme es als basal, als grundlegend. Denn ich darf aus der Liebe Gottes heraus leben und in ihr geborgen sein. Aus dieser Grunderfahrung darf ich handeln. Das befähigt mich, nach Gottesmaßstäben zu leben. Das wird mir nicht immer gelingen. Doch selbst da, wo es misslingt, bleibe ich Gottes Augapfel – und dies nun nicht als Entschuldigung für mein Misslingen, sondern als Ansporn und Ermutigung, es erneut zu versuchen.
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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