Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 21. Oktober 2020

Ein Engel rührte Elia an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er stand auf und aß und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes.

1.Könige 19,5.8

Nichts ist gerade normal.

Ich höre von durchkreuzten Lebensplanungen, Ausbildungen können nicht fortgeführt, das eigene Studium über Minijobs in der Gastronomie nicht finanziert werden, Menschen gehen auf Distanz, leiden unter der angespannten Situation. Ich erlebe auch im Kleinen, wie Planungen nicht aufgehen, stets Neues und Anderes bedacht werden muss, ohne Plan B oder C geht kaum noch was.

Nach einer gewissen Entspannung in den Sommermonaten, während denen so mancher dachte, es könnte zu Ende sein, nimmt die Anspannung wieder deutlich zu. Mit den teilweise rapide steigenden Infektionszahlen, die uns auf allen Kanälen aktuell präsentiert werden, steigt parallel der Stresspegel.

Im März erlebte ich in den Gemeinden bei allen Ein- und Abbrüchen eine neue Kreativität und einen ausgesprochenen Willen, die Krise anzugehen und zu meistern. Jetzt im Herbst sind zur sehr wohl noch vorhandenen Kreativität deutliche Ermüdungs- und Erschöpfungserscheinigungen hinzugekommen.

Aus dem anfänglichen 100m-Lauf wird zunehmend ein Marathonlauf, der uns noch zukünftig beschäftigen wird. Hinzu kommt die Erfahrung von vergeblicher Mühe, die deutlich zugenommen hat. An was nicht alles zusätzlich gedacht werden muss. Vieles muss neu und anders bedacht werden.

Was beim Propheten Elia festzustellen war, nenne ich mal laienhaft „manisch-depressiv“. Gegen die Baals-Priester war er noch stark vorgegangen, war erfolgreich gewesen. Doch danach überfällt ihn eine Schwere sondergleichen. Er sieht keine Zukunft mehr, der Lebensmut ist ihm verloren gegangen. Unter einem Ginsterbusch schläft er ein und hat diese besondere Engelsbegegnung.

In diesen turbulenten Zeiten mit ihren ungewissen Ausgängen, mit ihren Ambivalenzen zwischen aktivem Angehen der Herausforderungen und Gefühl der Ohnmacht, hoffe ich auf kleine und große Engelsbegegnungen. Und manchmal sind es ja auch die kleinen Zeichen, die Fürsorge um die basalen, die grundlegenden Notwendigkeiten, die weiterhelfen, uns wieder neu auf den Weg bringen – Zeichen der Ermutigung und der Kraft.

Diese wünsche ich uns von Gott!
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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