Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 13. Januar 2021

Ein Sohn soll seinen Vater ehren. Bin ich nun Vater, wo ist meine Ehre?, spricht der HERR.

Maleachi 1,6

Vater-Sohn-Beziehungen beschäftigen die Weltliteratur.

Bereits die ersten Gesänge in Homers „Odyssee“ erzählen von den Abenteuern des Telemachos, der auf der Suche nach seinem fernen Vater Odysseus zum Manne wird. Oder man denke an Franz Kafkas 100 Seiten langen „Brief an den Vater“ von 1919?
Dabei gewinnt man den Eindruck, dass Vater-Sohn-Beziehungen selten harmonisch und meistens spannungsreich sind. Die Thronfolge in antiken Zeiten, also der Wechsel vom Vater auf den Sohn, soll sogar eher selten unblutig erfolgt sein. Und bis auf den heutigen Tag zeigen sich in vielen Filmen Vater-Sohn-Konflikte. Erst kürzlich sah ich „Der wunderbare Mr. Rogers“ mit Tom Hanks. Da ging es auch um einen Vater-Sohn-Konflikt.
Der Vers aus dem Buch des Propheten Maleachi beschreibt einen Vater-Sohn-Konflikt. Dazu sollte man wissen, dass bis zur Aufklärung das Gesetz des Vaters gesetzt war. Eltern unterlagen anders als die Kinder keiner moralischen Verurteilung. Umso schwerer trifft vor allem den Sohn das Urteil, dass dieser den Vater nicht ehrt. Und zu damaligen Zeiten hätte der Vater das unbestrittene Recht gehabt, den Tod des Sohnes zu fordern.
Gott wählt einen anderen Weg. Es ist der Weg der Werbung. Der Vater im Himmel wirbt um den Sohn auf Erden.
Bis auf den heutigen Tag wählt und geht Gott diesen Weg. Gott wirbt um uns, lädt uns ein, als ob wir die Begehrenswerten und Gott selbst nicht der Betrogene wäre.
Bin ich bereit, vor Gott meine Schuld zuzugeben?
Bin ich bereit, Gottes Einladung zu folgen?
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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