Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 11. Januar 2021

Gott der HERR spricht: Ich will noch mehr sammeln zu der Schar derer, die versammelt sind.
Jesaja 56,8

Die Losung lässt mich nur zustimmen und ergänzen:

„Herr, mach schnell, sonst sind bald keine mehr da.“ Denn Hand aufs Herz, unsere Zahlen in den Gemeinden sind stets rückläufig. Die letzten 40 Jahre haben eine Halbierung der Mitgliederzahlen erbracht und die nächsten 40 Jahre werden dies erneut bringen. Da gibt es nichts schönzureden. Auch die Finanzen werden knapper. Und Corona hat diese Entwicklungen nur noch beschleunigt. Im Bild gesprochen sind die sieben fetten Jahre vorbei und die sieben mageren Jahre liegen vor uns, wobei niemand sagen kann, wie lange solche „sieben Jahre“ gehen werden. Und manche glauben noch, dass es so weitergehen kann, wie bisher.
Wer jetzt meint, dass früher alles besser war – Die Kirchen voller, die Pfarrer präsenter und die Jugend braver – schaue nur in unser Gesangbuch unter Nummer 250 nach: „Ich lobe dich von ganzer Seelen“. Bereits in der zweiten Strophe singen wir: „man höret immer deine Klage, dass nicht dein Haus will werden voll.“
Schon 1711, als Friedrich Konrad Hiller dieses Lied schrieb, gab es die Klage über leere Gotteshäuser. Weitere Klagen aus anderen Zeiten ließen sich hinzufügen. In manchen Gegenden schien es noch nie so etwas wie eine Erweckung gegeben haben. Leere Häuser waren und sind da der Normalfall.
Nun war diese Klage jedoch nie nur ein bloßes Jammern. Jammern, so verstehe ich das, ist eine Handlung, die sich unzufrieden mit der Situation zeigt, aber nichts dagegen unternimmt. Die Klage kann recht leicht zu einem Jammern werden. Oder wir singen das angestimmte Lied von 1711 weiter: „Deswegen schickst du auf die Straßen, zu laden alle, die man find’t; du willst auch die berufen lassen, die blind und lahm und elend sind.“
Mit der Verheißung, dass Gott noch andere Menschen sammeln will, verbindet sich also die Sendung Gottes an uns. Gott sendet uns zu den Menschen, um ihnen das zu bringen, was uns im Gottesdienst so begeistert – ich denke mal, dass uns was im Gottesdienst begeistert. Wir gehen zu den Menschen erzählen von unserem Glauben und von Gott, von seiner Liebe zu den Menschen, erzählen, was er für uns getan hat und tut, und wir laden sie ein, diesem Gott zu vertrauen und an Jesus Christus zu glauben. Und wir handeln und leben danach.
Vielleicht sollten wir ja die 2. Strophe von EG 250 in jedem Gottesdienst singen. Nur so als Idee!
Ihr Martin Reppenhagen, Dekan

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