Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 7. Januar 2021

Ich bin dein, hilf mir.
Psalm 119,94

Als unsere älteste Tochter gerade so richtig das Laufen gelernt hatte,

stieg sie wie alle Kinder dieses Alters gern auf Mauern, um dort zu laufen. Und dann passierte es, dass sie ohne große Ankündigung von der Mauer mir in die Arme sprang. Sie machte das einfach. Und es klappte. Ich fing sie jedes Mal sicher auf.
Ich springe und Papa fängt mich! So einfach war das. Nun gut, aus meiner Perspektive war es nicht ganz so einfach, da ich stets darauf achten musste, dass ich genau neben ihr war und dann stets auch richtig reagierte, dass sie in meinen Armen und nicht auf dem Boden landete.
„Ich bin dein, hilf mir.“ Das klingt nach diesem kindlichen Urvertrauen. Einen solchen kindlichen Glauben will ich mir auch als Erwachsener erhalten.
„Ich bin dein.“ Damit ist nicht Besitz, sondern Beziehung und Zugehörigkeit benannt. Ich erinnere mich noch gut an die Frage „Wem gehörsch’n du?“ Eigentlich hätte es heißen müssen „Zu wem gehörst Du?“ Doch das „Zu“ wurde im Dialekt oft verschluckt. Doch auch hier ging es um Zugehörigkeit. „Ich bin dein“ benennt also nichts anderes als „Ich gehöre zu Gott.“
Und aus diesem Zugehörigkeitsverhältnis ergibt sich die knappe Bitte „Hilf mir“. Wie selbstverständlich erwächst sie aus der Beziehung.
Nun ist unsere älteste Tochter mittlerweile deutlich älter. Sie läuft nicht mehr so einfach auf Mauern und lässt sich von ihrem Papa auffangen. Sie ist erwachsen geworden.
Mein Glaube ist auch ein erwachsener.
Und doch will ich mir dieses kindliche „Ich bin dein, hilf mir!“ bewahren. Was wäre denn daran so falsch?
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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