Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 22.07.2021

Wenn du nun isst und satt wirst, so hüte dich, dass du nicht den HERRN vergisst.

5. Mose 6,11-12

Als ich mein Studium der evangelischen Theologie in Wuppertal begann, kam es recht schnell zu einem intensiveren Kontakt zu dem bereits älteren Professor für Altes Testament. Er lud gern Studierende zu einem Tee oder zum Essen ein. Daraus entstand eine Verbundenheit zu einem väterlichen Freund. Und wenn wir, ein oder zwei Studierende, mit ihm und seiner Frau am Tisch saßen, begann jede Mahlzeit mit:

„Lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2)

Das war ein festes Ritual, das sich mir so einprägte, das ich es mit in Ehe und Familie nahm, sodass es für uns zu einem festen Tischritual wurde. Gewiss gibt es auch Abwechslungen beim Tischgebet, aber dieser Vers ist der Standard.

Was mir aus diesen ersten Semestern in Wuppertal auch in Erinnerung blieb, war der Besuch der Gebetsstunde der Christlichen Versammlung (Brüdergemeinde). Jener Alttestamentler hatte seit Jahren Kontakt zu ihnen und nahm mich mit. Und so knieten wir mit allen anderen nebeneinander und beteten gemeinsam.

Als jener Professor bereits im Ruhestand war, engagierte er sich in der Arbeit mit Drogenabhängigen. Als ich ihn mal in Wuppertal besuchte, meinte er: „Ich bin der Opa der Drogenjunkies.“

Es gibt Ereignisse, die einen prägen, die man nicht so einfach vergisst.

Selbst eine so normale Zeit wie die Mahlzeit kann zu einem Ort wider die Gottesvergessenheit werden.

Darum „lobe den Herrn, meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat.“ (Psalm 103,2)

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

Archiv – Gedanken zur Tageslosung