Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 12.07.2021


Abram sprach zu Lot: Es soll kein Zank sein zwischen mir und dir und zwischen meinen und deinen Hirten; denn wir sind Brüder.

1. Mose 13,8

Konflikte und Streit kommen in den besten Familien vor. Überall, wo Menschen zusammenkommen, miteinander arbeiten und/oder leben, kann es zu Konflikten kommen. Jeder kennt den Streit und den Konflikt. Manchmal ist guter Rat teuer.

Der österreichische Konfliktforscher Friedrich Glasl hat ein Modell der Konflikteskalation entworfen, das er in drei Ebenen und neun Schritten unterteilt hat:
In der ersten Ebene gibt es noch gute Chancen, zu einer Win-Win-Lösung zu kommen. Beide Konfliktparteien können also noch aus ihrer Sicht heraus gewinnen. Viele Konflikte lassen sich so lösen. Wird allerdings die zweite Ebene erreicht, geht es nun darum, dass die jeweils andere Seite verliert und man selbst gewinnt. Eine Win-Lose-Lösung wird erstrebt. Der Konflikt eskaliert. Eskaliert der Konflikt weiter, geht es nur noch darum, dass der andere verliert, wenn man selbst meint zu verlieren. Der absolute Tiefpunkt der Lose-Lose-Lösung ist erreicht.

Nun ist es nicht schicksalhaft, dass sich Konflikte so entwickeln müssen. Die Konflikttreppen abwärts kann auch aufwärts wieder gegangen werden. Manchmal – besonders für die Ebenenen zwei und drei – braucht es dazu die Hilfe einer dritten Person, einen sogenannten Mediator, der vermittelt.

Abram und Lot waren noch auf Ebene eins. Mit der vorgeschlagenen Konfliktlösung sollten beide gewinnen. Dann werden goldene Brücken gebaut, die die Konfliktparteien beschreiten können. Für Abram und Lot war die räumliche Trennung die Lösung. Für die beiden war es die beste Lösung. Ob dies allgemein auch so gilt, wage ich zu bezweifeln.

Festhalten will ich, dass es bei einer Konfliktlösung darum geht, dass es keine Gewinner und Verlierer gibt. Nur so kann zerbrochene Gemeinschaft wieder möglich werden.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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