Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 09.07.2021


Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Frieden, Geduld, Güte, Rechtschaffenheit, Treue, Sanftmut, Selbstbeherrschung.

Galater 5,22-23

Der Vers aus dem Galaterbrief ist so ein Schlüsselvers, den man gern liest und behält. Meine Zustimmung ist ihm gewiss. Solche Früchte kommen gut an. Wohl dem, der sie sein eigen nennt. Wohl dem, dem andere diese zuschreiben. Denn wer will nicht voller Liebe, Freude, Frieden usw. sein? Wer lässt sich nicht gern, wegen solcher Früchte loben?

Doch stutze ich, denn wie ich so schreibe, fand eine gewiss kleine aber gewichtige Änderung statt. Während der Vers von der Frucht spricht, schreibe ich von den Früchten. Handelt es sich hier um einen bunten Früchtekorb oder um die eine „Frucht des Geistes“? Die Frage ist hoffentlich nicht kleinlich.

Ginge es hier um einen Früchtekorb, wäre es gewiss auch bedauerlich, wenn eine Frucht fehlen würde. Die Buntheit und Vielfalt des Früchtekorbes wäre zwar geschmälert, aber es wäre verkraftbar. Die Treue würde zwar fehlen, aber die Liebe wäre ja noch da. So könnte man argumentieren. Oder mit Blick auf die eigenen Gaben und Fähigkeiten könnte man sagen: Es klappt zwar nicht mit der Selbstbeherrschung, dafür setze ich ganz auf Rechtschaffenheit. So könnte man argumentieren, wenn es sich hier um einen Früchtekorb handelt.

Ganz anders sieht es allerdings aus, wenn ich den Singular von „Frucht des Geistes“ ernstnehme. Wenn dann etwas fehlt, fehlt nicht einfach eine weitere Frucht, sondern ein wichtiger Bestandteil der einen Frucht. Was wird aus einem Apfel, dem das Pektin fehlt? Was wird aus einer Kirsche, wenn ihr die Vitamine B1, B2, B6 und C fehlen, dafür aber Kalium und Phosphor überreichlich vorhanden wären?

Da würde was schieflaufen und man müsste die englische Redensweise „An apple a day, keeps the doctor away!“ („Ein Apfel pro Tag hält den Doktor fern!“) umschreiben. So auch hier. Denn auf die einzelnen Bestandteile der einen Frucht des Geistes kann nicht verzichtet werden. Oder positiv formuliert: Die „Frucht des Geistes“ besteht aus allen diesen!

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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