Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 08.07.2021


Gott, wir gedenken deiner Güte in deinem Tempel.

Psalm 48,10

Protestanten kennen keine heiligen Orte, könnte man sagen. Katholiken kennen heilige Orte, zu denen gepilgert wird, Wallfahrtsorte. Jede katholische Kirche ist ein heiliger, ein geweihter Ort. Solche Gebäudeweihen kennen Protestanten nicht. Jeder Winkel dieser Welt kann zu einem heiligen Ort werden, sagen Protestanten, jenseits von Santiago de Compostela in Spanien und Fatima in Portugal.

Nun bin ich Protestant und bekenne, dass jeder Ort zu einem heiligen Ort werden kann, da mir Gott selbst im entlegensten Winkel dieser Erde nahekommen kann. Gott selbst kann jeden Ort dieser Welt zu einem heiligen Ort werden lassen. Dazu braucht es nicht Stein und Mörtel.

Und doch bekenne ich auch, dass es besondere Orte gibt, die mich ruhig werden lassen, die mir bereits beim Eintritt mit einer besonderen Atmosphäre der Stille begegnen. Hier wird das Gebet und die Ausrichtung auf Gott leichter gemacht.

Da werden diese Orte zu Orten der Gottesbegegnung und der Erinnerung an Gott. Auch die Bibel kennt solche Orte der Gottesbegegnung und -erinnerung, wenn Jakob oder Josua Steine aufstellen, wenn das Stiftszelt oder später der Tempel aufgebaut werden.

Und angesichts meiner Vergesslichkeit brauche ich auch meinen persönlichen „Knoten im Taschentuch“ bzw. Orte und Zeiten, die mich daran erinnern, dass es Gott gut mit mir, mit anderen, mit seiner Schöpfung meint.

Ich brauche einen Ort, wo auch ich sagen kann. „Gott, ich gedenke deiner Güte!“

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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