Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 20.06.2021

Sucht den HERRN, solange er zu finden ist; ruft ihn an, solange er nahe ist.


Jesaja 55,6

Mein erster Gedanke war es, die Tageslosung als Mahnung zu verstehen. Dabei wurde das „solange“ sehr laut. „Solange der Herr zu finden ist, sucht ihn!“ Die Betonung liegt dann darauf, dass es auch eine Zeit geben könnte, in der der Herr nicht zu finden ist. Dann bekommt das Ganze was Dringliches oder gar Bedrohliches. Es könnte auch ein zu spät geben.
Mein zweiter Gedanke war, die Tageslosung als Aufforderung zu verstehen. Dann klingt sie wie eine großartige Chance, die es zu ergreifen gilt. Denn Gott lässt sich finden und wartet auf mein Suchen.
Und ich erinnere mich daran, dass das Kinderspiel Verstecken einen wichtigen Aspekt hat. Im Kinderspiel gehen die Teilnehmenden der Frage nach, wer es denn wert ist, gesucht und gefunden zu werden. Im Verstecken wird eine Antwort auf die Wertschätzung gesucht.
Ist mir also Gott so wertvoll, dass ich ihn suche und dann auch finde? Oder bleibt Gott links liegen?
Wenn ich mich zwischen meinem ersten und meinem zweiten Gedanken entscheiden müsste, ging die Entscheidung zugunsten meines zweiten Gedanken aus.
Doch vielleicht muss oder sollte ich mich nicht entscheiden. Denn es wäre nicht klug, die Gottessuche einfach hinauszuschieben.
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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