Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 16.06.2021


Sieh her, ich nehme deine Sünde von dir und lasse dir Feierkleider anziehen.


Sacharja 3,4

Das ist wohl ein „fröhlicher Tausch“ die zerlumpten und verdreckten Sündenkleider werden durch Festgewänder ersetzt. Und die Initiative dazu liegt alleinig bei Gott selbst.

Schier unüberbietbar beschrieben wird dies im Gleichnis vom verlorenen Sohn in Lukas 15.
Da taucht der Sohn aus dem tiefsten Drecksloch, das sich ein Jude nur vorstellen kann, wieder beim Vater auf. Ein Geruchstest macht ihn zum Schwein und selbst der Schweinefraß hat ihn von innen verunreinigt. Ekelschranken tun sich auf. Schlimmer geht es nicht. Und dann hört man den Vater rufen: „Bringt schnell das beste Gewand her und zieht es ihm an und gebt ihm einen Ring an seine Hand und Schuhe an seine Füße.“ Anders formuliert: Dieses Schwein war mein Sohn, ist stets mein Sohn geblieben und soll wieder mein Sohn werden. Das ist wahrlich vom Ende her gedacht ein „fröhlicher Tausch“.

Der Ausdruck ein „fröhlicher Tausch“ stammt von Martin Luther (1484–1546) aus seiner Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“ (1520):
„Hier hebt nun der fröhliche Tausch und Wettstreit an: Christus ist ja Gott und Mensch, der noch nie gesündigt hat, und seine Rechtschaffenheit [Gerechtigkeit] ist unüberwindlich, ewig und allmächtig. Wenn nun er die Sünden der gläubigen Seele durch ihren Brautring (d.h. durch ihren Glauben) sich selbst zu eigen macht und geradeso tut, als hätte er sie getan, so müssen die Sünden in ihm verschlungen und ersäuft werden, denn seine unüberwindliche Gerechtigkeit ist allen Sünden zu stark.“

Wir sind in der Mitte des christlichen Glaubens angelangt.
Schön drückt es die Weihnachtspräfation aus, die ihren Ort in der Abendmahlsliturgie hat: „In Wahrheit ist es würdig und recht, dir, allmächtiger Vater, zu danken und dein Erbarmen zu rühmen durch unseren Herrn Jesus Christus. Durch ihn schaffst du den Menschen neu und schenkst ihm ewige Ehre. Denn einen wunderbaren Tausch hast du vollzogen: dein göttliches Wort wurde ein sterblicher Mensch, und wir sterbliche Menschen empfangen in Christus dein göttliches Leben. Darum preisen wir dich mit allen Chören der Engel …“

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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