Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 01.06.2021


Wenn ihr euch von ganzem Herzen zu dem HERRN bekehren wollt, so tut von euch die fremden Götter.


1. Samuel 7,3

Als moderner Mensch könnte ich mich genügsam zurücklehnen. Denn die antiken Götter haben wir von ihren Sockeln gestoßen oder in Museen gestellt. Sie haben also bestenfalls noch eine museale Bedeutung. Ob Baal, Zeus, Thor oder Orisis – sie sind alle bestenfalls Randnotizen unserer modernen Gesellschaften. Zwar wird immer wieder von einer Wiederkehr der Götter und damit von einer Renaissance der Religion gesprochen, doch der allgemeine Trend zu einem Leben ohne Gott und Götter ist nicht zu übersehen. „Wir haben vergessen, dass wir Gott vergessen haben“, hat einmal ein Theologe über die Religiosität im Osten der Republik gesagt.
Und wie ich mich so genügsam zurücklehne und darüber nachdenke, wann ich wieder die Antikensammlung des Badischen Landesmuseums im Karlsruhe Schloss besuche und so manche Götterstatue bewundere und mir gleichzeitig sage, dass ich diese nicht anbete, kommt mir Martin Luthers Großer Katechismus in den Sinn: „Woran du nun, sage ich, dein Herz hängst und worauf du dich verlässt, das ist eigentlich dein Gott.“
Das Ganze mit den Göttern ist also gar nicht leicht und einfach abgehakt. Dabei ist Luther so frei, die Götter nicht nur mit dem Mammon des Geldes zu identifizieren. Denn auch andere Götter sind bis auf den heutigen Tag zu finden und unter uns sehr lebendig. Denn selbst „große Gelehrsamkeit, Klugheit, Gewalt, Gunst, Verwandtschaft und Ehre“ können zu Abgöttern werden.
Es ist also vorbei mit der genügsamen Ruhe. Und ich frage mich, welche fremden Götter in meinem Leben so ihr Unwesen treiben. Die Frage scheint noch nicht endgültig und ein für alle Mal geklärt zu sein.
Sie stellt sich stets neu.
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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