Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 11.05.2021


Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel und die Erde und alles, was darinnen ist, das ist des HERRN, deines Gottes.


5. Mose 10,14

In der hebräischen Sprache begegnet uns der Himmel im Plural. Es gibt also nicht den Himmel, sondern die Himmel. Ganz fremd ist uns diese Vorstellung nicht, wenn wir vom 7. Himmel sprechen, wobei die Zahl 7 auf den höchsten, den obersten Himmel verweist. Ob es unter ihm sechs andere Himmel gibt, bleibt dabei nicht eindeutig geklärt. Im Englischen ist übrigens von „Cloud Number Nine“ die Rede, wenn sich jemand wie im (siebten) Himmel fühlt.

Beim Apostel Paulus begegnen wir gar dem dritten Himmel, in den er entrückt worden war. In diesem Paradies hörte er gar unaussprechliche Worte. (2.Kor 12,2ff)
Und als König Salomo den Jerusalemer Tempel einweihte, betete er: „Denn sollte Gott wirklich auf Erden wohnen? Siehe, der Himmel und aller Himmel Himmel können dich nicht fassen – wie sollte es dann dies Haus tun, das ich gebaut habe?“ (1Kön 8,27)

Wir kommen also an unsere Vorstellungsgrenzen, wenn wir einerseits sagen, dass Gott im Himmel wohnt, aber andererseits selbst aller Himmel Himmel nicht fassen können. Und dann sagen wir auch noch, dass Gott den Himmel geschaffen hat. Dabei hilft uns ein Blick in die englische Sprache, die zwischen Sky, dem sichtbaren Himmel, und Heaven, dem Wohnort Gottes, unterscheidet. Diese sprachliche Differenzierung haben wir im Deutschen nicht.

Doch alle diese Überlegungen und Differenzierungen sollten uns nicht davon abhalten, ins Staunen zu kommen, wenn wir die Fülle und Vielfalt des Schaffens Gottes entdecken. Dann werden die unzählbare Fülle der Sterne am Nachthimmel – nach australischen Wissenschaftler sollen es 70 Trilliarden in dem für uns sichtbaren Universum sein -, die Komplexität eines jeden Baums, der im Frühjahr neu austreibt, die Individualität einer jeden Schneeflocke, das stete schöpferische Handeln im Werden jeden Lebens Grund zum Staunen und zum Lob Gottes.

Denn all das ist von Gott, wird durch Gott erhalten und verweist auf Gott.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan
Archiv – Gedanken zur Tageslosung