Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 04.05.2021


Wenn ich dich anrufe, so erhörst du mich und gibst meiner Seele große Kraft.


Psalm 138,3

In unserem Jugendkreis Ende der 1970er und Anfang der 1980er Jahre gab es unter anderem eine Art Ritual. Da fragte einer plötzlich in die Runde „Wie lautet die Telefonnummer Gottes?“ Und ein anderer antwortet: „50 15: Rufe mich an in der Not, so will ich dich erretten, und du sollst mich preisen.“ Man kann das auch einen „running gag“ nennen, was da unter uns ablief und uns eine Psalmenstelle zitieren ließ.
Wir hätten auch auf andere Telefonnummern Gottes verweisen können:
Ps 4,2 Erhöre mich, wenn ich rufe, Gott meiner Gerechtigkeit, der du mich tröstest in Angst; sei mir gnädig und erhöre mein Gebet!
Ps 17,6 Ich rufe zu dir, denn du, Gott, wirst mich erhören; neige deine Ohren zu mir, höre meine Rede!
Ps 77,2 Ich rufe zu Gott und schreie um Hilfe, zu Gott rufe ich, und er erhört mich.
Ps 86,7 In der Not rufe ich dich an; du wollest mich erhören!
Das war die Zuversicht, die uns als Jugendliche trug und Erwachsen werden ließ. Als Erwachsene haben wir auch andere Telefonnummern Gottes kennengelernt, bei denen die Ansage lautet: „Kein Anschluss unter dieser Nummer!“ Auch das gibt die Lebenserfahrung her. Denn in den Psalmen kann man auch das lesen: „Mein Gott, des Tages rufe ich, doch antwortest du nicht, und des Nachts, doch finde ich keine Ruhe.“ (22,3)
Und doch will ich hoffen, dass es bei Gottes Telefonnummer weder ein Besetztzeichen oder eine Bandansage gibt, sondern eine Direktdurchstellung zu Gott.
Vielleicht klingt das ja jetzt jugendlich naiv. Das mag stimmen. Und doch halte ich dagegen: In einer Zeit, in der selbst Senioren noch jugendlich sein wollen, kann es nicht ganz verkehrt sein.
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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