Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 31.03.2021


Dein Herz eifre nicht gegen die Sünder, sondern jederzeit nach der Furcht des HERRN.


Sprüche 23,17

Der erste dokumentierte Shitstorm der Weltgeschichte ereignete sich Anfang des 16. Jahrhunderts, als Anhänger der Reformation die päpstlichen Abgesandten mit Fäkalien bewarfen. In unseren Zeiten ist der Shitstorm zu einem festen Bestandteil sozialer Netzwerke geworden, wenn es gilt, Verfehlungen oder falsche bzw. unliebsame Meinungen zu benennen und auszugrenzen.
Wir Menschen haben anscheinend in unserem Umgang mit Sünde nur zwei Möglichkeiten: entweder verharmlosen wir sie oder wir grenzen den Sünder aus unserer Gemeinschaft aus. Der Sünder hat keinen Platz mehr bei uns; er wird ausgegrenzt, mit Schimpf und Schande überzogen. Da können wir uns regelrecht ereifern.
Die Bibel zeigt da einen anderen Weg. Sie nennt Sünde beim Namen, verharmlost sie nicht. Sünde, so die Bibel, zerstört Gemeinschaft. So sehr die Bibel darum die zerstörerische Macht der Sünde benennt und uns vor Augen führt, so sehr beschreibt sie uns einen Gott, der die Gemeinschaft wieder herstellen will.
Nicht der Shitstorm über den Sünder ist biblisch geboten, so sehr die Bibel die Sünde verdammt. Vielmehr ist biblisch geboten, angesichts von Sünde und Schuld Gemeinschaft wieder zu ermöglichen.
Mancher meint dazu, dass Christen die Sünde nicht ernstnehmen, weil sie ja vergeben wird. Das Gegenteil ist der Fall. Wer meint, sich über Sünder zu ereifern, stellt sich auf die Seite der Sünde. Denn so kommt Sünde an ihr Ziel, dass sie Gemeinschaft zerstört. Doch genau letzteres will Gott verhindern. Am Ende soll die Gemeinschaft über die Sünde des einzelnen wieder hergestellt werden.
So ist nicht der Shitstorm Option, sondern die Frage nach der Wiederherstellung von Gemeinschaft und damit die Herausforderung „jederzeit nach der Furcht des Herrn“ zu fragen.
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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