Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 26.03.2021


Ich hatte dich gepflanzt als einen edlen Weinstock, ein ganz echtes Gewächs. Wie bist du mir denn geworden zu einem schlechten, wilden Weinstock?


Jeremia 2,21

Die Bibel stellt uns Gott mit klaren Vorstellungen über die Verantwortung des Menschen und insbesondere über die Verantwortung seines Volkes Israel dar. So schuf Gott den Menschen nach seinem Bilde, was eben auch bedeutete, dass Gott davon ausging, der Mensch übernehme wie er die Verantwortung für sein Leben und diese Welt. Dies sollte der Mensch nun nicht allein, sondern in Beziehung mit dem Schöpfer umsetzen. Doch da ging was schief, der Mensch meinte, alles selbst in die Hand nehmen zu müssen und scheiterte – er scheitert bis auf den heutigen Tag.
Angesichts einer Existenz „Jenseits von Eden“ hat sich Gott auf die Suche nach dem verlorenen Menschen gemacht. Wir ein roter Faden zieht sich diese göttliche Suche durch die Bibel. Einladend, werbend, fragend, lockend, manchmal auch drohend ist Gott unterwegs, um die kaputte Gemeinschaft zwischen Gott und Mensch wiederherzustellen.
Neben diesem roten Faden zeigen sich Wellen eines Auf und Ab. Denn parallel zur Gottessuche zeigt sich der stete Abfall des Menschen. Immer wieder taucht das auf, was auch gern als Erbsünde benannt wird: Die Auffassung, es ginge auch ohne Gott. So wird der Auszug aus der Gottesabhängigkeit als Freiheit zelebriert.
Doch was passiert mit einem Weinstock, der den eigenen Wurzelgrund verloren hat, dem die Fürsorge des Weingärtners egal ist? Er wird schlecht und wild.
Dabei will ich hoffen, dass weiterhin gilt, was Jesus als Gärtner sagte: Gib ihm noch ein Jahr! Will heißen: Gib ihm noch eine Chance!
Darauf will ich hoffen, dass wir alle bei Gott noch eine Chance haben.
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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