Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 24.03.2021


Gott segnete Mann und Frau und sprach zu ihnen: Seid fruchtbar und mehret euch und füllet die Erde und machet sie euch untertan.


1. Mose 1,28

Der evangelische Theologe Fulbert Steffensky (geb. 1933) hat „Vorschläge des heiligen Valentin für das Wachsen der Liebe“ veröffentlicht. Darin lese ich:

Sechstes Gebot: Ihr sollt euch nicht in euch selbst erschöpfen!

Die katholische Ehelehre behauptet, eine Ehe käme nicht zustande, wenn das Paar keine Kinder wolle. Das mag biologistisch sein, aber es ist zugleich eine Art verdrehter Weisheit. Man kann auf Dauer nur zusammenleben, wenn man mehr will als sich selber; wenn man mehr Lebensabsichten hat als die selbstgenügsame Zweisamkeit. Es brauchen nicht nur leibliche Kinder zu sein. Man kann Lebensphantasien und Optionen teilen, man kann Projekte und Arbeiten adoptieren und natürlich fremde Kinder. Wenn Menschen, die sich lieben, keinen anderen Blick haben als den in die eigenen Augen, dann verkommen sie.

mehr Lebensabsichten als die selbstgenügsame Zweisamkeit

Mit sich allein sind die Liebenden immer in schlechter Gesellschaft. Wir kennen die trostlose Komik einer Ehe, in der zwei sich immer ähnlicher werden, weil sie nur sich selber kennen. Sie werden sich gleich wie zwei Möpse. So ist der eine nicht mehr die Ergänzung des anderen, sondern seine Verdoppelung. Ein Haus ist erst dann ein Haus, wenn viele darin wohnen, essen, lachen und weinen. Das gilt auch für das Ehehaus.

aus: Fulbert Steffensky, Der alltägliche Charme des Glaubens, Würzburg (Echter) 2002, 6. Aufl. 2009, 78-92.
Könnte das ein passender Kommentar zu „Seid fruchtbar und mehret euch“ sein?

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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