Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 08.03.2021

Ich will mich am allerliebsten rühmen meiner Schwachheit, auf dass die Kraft Christi bei mir wohne.


2. Korinther 12,9

Wer sich auf ein Bewerbungsgespräch einlässt, weiß, dass sie oder er nach den eigenen Stärken und Kompetenzen gefragt wird. Da sollte man vorbereitet sein, diese benennen zu können. Im Lebenslauf hat man diese bereits festgehalten. Wer angestellt werden will, muss auf seine Stärken verweisen können. In manchen Bewerbungsgesprächen wird auch nach den Schwächen gefragt, wobei diese heute als „Entwicklungspotenzial“ benannt werden. Auch da ist es wichtig, diese zu kennen und zu wissen, wie man damit umgeht.
Die Kenntnis der eigenen Schwächen ist also wichtig – auch jenseits von Bewerbungsgesprächen. Doch muss man sich gleich dieser rühmen, wie Paulus dies tut? Ist das nicht ein wenig übertrieben und geht in die falsche Richtung?
Doch mal ehrlich, wie oft tragen wir unsere eigene Unfähigkeit wie eine Monstranz vor uns her, wenn es darum geht, Christus gegenüber anderen zu bekennen oder gar in der eigenen Gemeinde aktiv zu werden? Wäre es nicht viel angebrachter, es einfach trotz aller Bedenken und selbst empfundenen Begrenzungen einfach zu wagen?
Ich habe den Eindruck, dass Gott herzlich gern mit vermeintlich inkompetenten und unfähigen Menschen sein Reich bauen will, wenn diese nur bereit sind, ihre begrenzten Möglichkeiten und Fähigkeiten Gott selbst und seinem Christus zur Verfügung zu stellen.
Denn letztlich hängt es nicht an uns, sondern vielmehr daran, dass Christus in und durch uns arbeitet, „auf dass die Kraft Christi bei mir wohne“.
So mag in unseren christlichen Bewerbungsunterlagen die Liste der Schwächen lang und die der Stärken kurz sein. Christus wird uns anschauen und sagen: „Beste Voraussetzungen! Aus Ihnen kann was in der Gemeinde werden!“
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan
Archiv – Gedanken zur Tageslosung