Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 04.03.2021

Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der HERR: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.


Jeremia 29,11

Als Student war ich für zwei Semester in Indien und ich war frisch verlobt. Meine Verlobte war in Deutschland geblieben. Internet gab es noch nicht und die Telekommunikation war auch nicht gerade bestens ausgebaut. So schrieben wir uns Briefe, die wir nummerierten, denn man wusste nie, ob auf dem Postweg ein Brief verloren geht. Und jeden Tag auf dem Weg zum Mittagessen in der Mensa kam ich an der Poststelle vorbei und hoffte sehnsüchtig auf einen Brief. Manchmal passierte es, dass sich die Briefe überholten und Brief 23 vor Brief 22 ankam.
Briefe aus der Heimat, zumal von der Verlobten, waren kostbar und sehnsüchtig erwartet. Gehen wir knapp 3.000 Jahre in der Geschichte zurück und besuchen wir die Israeliten, die nach Babylon verschleppt wurden. Denn die Babylonier hatten Jerusalem erobert, den Tempel in Brand gesetzt, die Stadtmauer geschleift, den König abgesetzt und die führenden Eliten nach Babylon verschleppt.
Die Heimat ist verloren. Man lebt unter fremder Herrschaft. Die Zukunft bleibt ungewiss. Alles Planen wird mit einem Vorbehalt belegt, wenn es überhaupt ein Planen geben kann. Und meistens kommt es anders, als man denkt.
Gott hat sein Volk verstoßen, dafür spricht vieles. Doch Gott hat nicht aufgehört zu reden. Und so lange Gott redet, geschieht noch etwas. So lange Gott zu seinem Volk redet, hat er noch eine Geschichte mit diesem Volk. Gott ist mit seinem Volk nicht am Ende
Denn im Auftrag Gottes schreibt Jeremia einen Brief aus der Heimat an die Verschleppten in Babylon. Es ist ein Zukunfts- und Hoffnungsschreiben an die Verlorenen in schwierigen Zeiten. Das ist wie Balsam für geschundene Seelen, für Menschen mit Schwielen an den Händen.
Es ist nichts verloren. „Das Land ist offen und weit“. Jeremia spricht dabei nicht in seinem Namen, sondern in Gottes. Gott selbst markiert die Zukunft des geschundenen Volkes mit dem großen Sehnsuchts- und Hoffnungswort: Schalom, Frieden.
Damit steht fest: Wir gehen in die Zukunft; Gott schenkt sie uns!

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan
Archiv – Gedanken zur Tageslosung