Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 01.03.2021

Ein jeder sehe nicht auf das Seine, sondern auch auf das, was dem andern dient.


Philipper 2,4

Wenn wir das praktizieren, dann wäre uns schon viel geholfen. Dann geht es nicht mehr nur um uns, sondern auch um den anderen. Dann wären wir befreiter mit Blick auf unsere Selbstbezogenheit und damit mit Blick auf unsere Sünde.
So nannten die Reformatoren den Menschen auf Latein einen „homo incurvatus in se“, auf Deutsch: „einen auf sich selbst verkrümmten Menschen“. Wegen dieser Selbstbezogenheit ist der Mensch weder zur Gottesliebe noch zur Nächstenliebe fähig. Und das ist Sünde. Der sündige Mensch ist ein krummer Mensch.
Im Gegensatz dazu ist die Orientierung Gottes die Gemeinschaft. Als Vater, Sohn und Heiliger Geist ist Gott schon selbst auf Gemeinschaft und Beziehung angelegt. Diese Beziehungsorientierung Gottes setzt sich fort: Gott will in Beziehung mit uns Menschen sein. Von daher fragt er stets neu, was uns dient, was uns zum Leben hilft. Wie ein roter Faden zieht sich dies durch die Bibel.
So ist der Mensch auch auf Gemeinschaft angelegt. Auch wenn Soziologen stets darauf verweisen, dass der moderne Mensch ein Individualist ist und moderne Gesellschaften durch Sozialdistanz geprägt sind, schaffen wir es nicht ohne andere Menschen. Es tut uns darüber hinaus auch nicht gut.
Aus diesem Teufelskreis will uns das „auch“ holen. Denn es geht ja gar nicht darum, dass wir uns selbst vergessen und nur das Wohl des anderen sehen. Vielmehr geht es darum, aus dem steten Kreisen um sich selbst herauszukommen. Denn wer sich ständig um sich selbst kreist, dem wird schwindelig.
Und so kommt es zum „Ausbruch der Liebe“. Ich sehe auch auf den anderen. Ich frage, was hilft ihm, was dient ihr, was braucht er. Wie kann ich ihr Gutes tun?
Über diese Beziehungsorientierung entsteht Gemeinschaft und wird diese erhalten.
Und wenn uns dazu unser christlicher Glaube hilft, ist schon viel gewonnen.

Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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