Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 11.02.2021


Wo ist solch ein Gott, wie du bist, der die Sünde vergibt und erlässt die Schuld denen, die geblieben sind als Rest seines Erbteils; der an seinem Zorn nicht ewig festhält, denn er hat Gefallen an Gnade!

Micha 7,18

Gott fällt Gnade leicht!
Das finde ich schon bemerkenswert. Denn uns fällt, so habe ich den Eindruck, Gnade schwer. Oder wir verwechseln Gnade mit Gleichgültigkeit oder „unter den Teppich kehren“.
Ich kann nachvollziehen, warum uns Gnade schwerfällt. Denn von Gnade können wir dann sprechen, wenn jemand auf sein Recht verzichtet.
„Gnade ist in der Rechtswissenschaft die Befugnis, im Einzelfall eine rechtskräftig erkannte Strafe ganz oder teilweise zu erlassen, sie umzuwandeln oder ihre Vollstreckung auszusetzen. Seiner Struktur nach ist das Gnadenrecht die Kompetenz, über den staatlichen Strafanspruch in einem Einzelfall zu verfügen“, lese ich auf Wikipedia.
Und wer verzichtet schon gern auf sein Recht? Doch wo kämen wir hin, wenn alles nur nach Recht und Ordnung geschehen würde?
Es ist Gnade, wenn junge Eltern auf ihr Recht auf Nachschlaf verzichten, weil so ein kleines Menschenkind Hunger hat oder nur die Nähe seiner Eltern braucht. Erwachsene verzichten auf eine selbstbestimmte Freizeit, weil sie Angehörige besuchen oder pflegen.
Es gibt viele Beispiele in unserem Leben, die uns auf Gnade verweisen. Doch am schwierigsten wird es mit der Gnade, wenn jemand an uns schuldig geworden ist, wenn jemand uns zutiefst enttäuscht oder verletzt hat. Da wird Gnade manchmal rar oder gilt es Gnade durchzubuchstabieren.
Nach dem Propheten Micha sind wir Menschen schuldig an Gott geworden. Das wäre Grund genug für Gott, die Beziehung zu uns zu beenden. Doch Gott will eben diese Beziehung erhalten und uns weiterhin Leben gewähren.
Das ist Gnade!
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan

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