Gedanken zur Losung in schwierigen Zeiten – 03.02.2021


Wie kann ein Mensch sich Götter machen?

Jeremia 16,20

Als ich mir vor Jahren eine neue Kamera kaufte, wälzte ich Tests und Erfahrungsberichte. Ich konnte mich regelrecht darin verlieren und die Zeit vergessen. Als ich sie dann in Händen hielt, schaute ich sie beinahe verliebt an. Immer wieder musste ich sie aus der Kameratasche holen und damit Bilder machen. Nein, abends nahm ich sie nicht ins Bett. Aus dem Alter bin ich mittlerweile raus.
Nun wird jeder aus eigener Erfahrung so was kennen und sich bei diesen Zeilen an eigene Herzensdinge erinnern, die gerade neu unsere besondere Aufmerksamkeit erhalten. Unser Herz hängt an ihnen.
Diese Erlebnisse nun gleich mit Göttern zu verbinden, wäre weit hergeholt.
Und doch gibt es Dinge, Macht, Anerkennung und Erfolg selbst vermeintliches Glück, an die wir unser Herz verlieren können, die uns zu Göttern werden.
Oftmals bemerken wir ihren Sog und ihren Einfluss nicht. Wir werden zu Getriebenen, obwohl wir selbst meinen die Entscheider und Handelnden zu sein.
In manchen Augenblicken oder Lebensphasen kommt es zur Überprüfung unserer Götter im Leben.
Meine Frau berichtet aus dem Hospiz, dass angesichts des Todes viele Götter fallen und es zu einer Rückbesinnung kommt.
Beziehungen gewinnen an Bedeutung. Macht, Anerkennung, materielle Werte verlieren.
Man stellt sich die Frage: „Wie kann ein Mensch sich Götter machen?“
Und die Antwort lautet: „Der Mensch ist oftmals wie blind!“
So bleibt die Bitte: „Herr, befreie uns von unseren Göttern und stelle unsere Füße auf Deinen weiten Raum.“
Ihr
Martin Reppenhagen, Dekan
Archiv – Gedanken zur Tageslosung